2005

Unser erster Urlaub mit einem Segelboot hatte begonnen. Wir hatten ja schon ein paar Erfahrungen mit unserer neuen Odin 720 auf dem Schwielochsee und zu Pfingsten auf den Rheinsberger Gewässern gesammelt. Dass Mast stellen und legen klappte schon in 30 Minuten. Schon jetzt stand für uns fest dass wir uns nie wieder ein Motorboot kaufen. Wir haben nie Segeln in einem Kurs oder einer Fahrschule gelernt, ich habe mir das gesamte theoretische Wissen über den Winter durch lesen selbst angeeignet. Aus diesem Grund sollte es das erste Jahr auch nicht gleich auf die Ostsee gehen. Wir fuhren am 2.7.2005 mal wieder an die Müritz. Es war erstaunlich wie viel Stauraum die  Odin im Gegensatz zu unserer Drago hatte. Wir hatten noch mehr Proviant als im Vorjahr an Bord. Geslippt wurde wieder in Gotthuhn bei Röbel.

Anschließend wurde der Mast gestellt, und das Beiboot an die Davits gehangen. Ein bisschen segeln sollte natürlich auch noch sein. Wir hatten Wind der Stärke 2 aus Südwest. Also segelten wir am ersten Tag noch bis zur Einfahrt in den Eldenburger Kanal wo wir Ankerten.

Wir hatten uns vor genommen im ersten Teil des Urlaubs nach Schwerin zu fahren und in der anderen Hälfte die Müritz auf und ab zu Segeln. Im Eldenbuger Kanal legten wir vor der Brücke den Mast und fuhren weiter in den Kölpinsee. Als wir da ankamen stand der Mast natürlich schon wieder und wir setzten die Segel. Es wurde ein wunderschöner Segeltag bei 25°C und Sonnenschein. Kurz vor dem Urlaub hatte ich 3 Solar-Module an Bord montiert, und ich bemerkte schon jetzt das es eine Investition war die sich gelohnt hat. Wir konnten jeden Tag die Kühlbox laufen lassen, ohne dass die Batterie leer wurde. Wir Ankerten vor Malchow auf dem Fleesensee. Nach dem Abendessen wurde der Mast gelegt, denn bis Schwerin sollte es nicht mehr viel Gelegenheit zum Segeln geben.

Als wir am nächsten Morgen unser Verdeck stellen wollten rissen die Schrauben des Verdeck-Gestänges heraus. Ich kaufte in Malchow stärkere Schrauben, damit das Gestänge auch bei härteren Belastungen hielt. Zu Mittag ging der Piezo –Zünder unseres Kochers kaputt, den ich aber schnell repariert hatte. Wir fuhren durch die Drehbrücke Malchow und weiter bis Plau. Dort machten wir den nächsten Landgang. Unsere l‘espoir III lag Bug an Bug mit einer Odin 820.

Für den Abend gab es eine Sturmwarnung im Radio und die Leute in Plau warnten uns auch. Wir ließen uns davon nicht beeindrucken. Wir Ankerten auf dem Plauer See. Sicherheitshalber ließ ich das GPS als Ankerwache an, nahm das Beiboot von den Davits und verzurrte es am Boot. Mehr Handlungsbedarf sah ich nicht, da wir uns ja nur auf einem kleinen See befanden. Das mag dem einen vielleicht als Leichtsinnig erscheinen und auch nicht gerade der sicheren Seemannschaft entsprechen, aber ich würde auch heute nicht anders handeln. Der Sturm blieb aus. Es wehte nur ein starker Wind der Stärke 5-6 der uns nicht am ruhigen Schlafen hinderte.

Am nächsten Morgen schien auch wieder die Sonne. Unser 4 PS Motor den wir auch schon an der Drago hatten schob uns gemächlich durch die Elde. Wir passierten an diesem Tag 5 Schleusen. 3 davon in strömendem Regen. Bei Elde Km 81,2 machten wir das Boot am Ufer fest und gingen schlafen.  Ich wollte so schnell wie möglich wieder zurück auf die Müritz Segeln, deshalb ging es schon früh am Morgen weiter.  Wir mussten 3-mal Schleusen. Vor der Klappbrücke Plate waren wir uns nicht sicher ob wir darunter durch passen, oder darauf warten das Sie geöffnet wird. Also tasteten wir uns ganz langsam an die Brücke heran. Als wir halb unter der Brücke waren rief Katja: Komm mal raus! Ich schaltete in den Leerlauf und verließ das Verdeck. Wir hatten nur so wenig Platz unter der Brücke das man nicht einmal einen Finger dazwischen stecken konnte. Sie meinte, wir sollten uns lieber mit den Händen unter der Brücke durch schieben. Also ging ich nach Steuerbord, Katja stand ja auf der Backbordseite, und schoben das Boot langsam unter der Brücke hindurch. Bald darauf Ankerten wir auf dem Schweriner See.

In Schwerin füllten wir unseren Wassertank und machten von 11:30 Uhr -16:30 Uhr Landgang. Wir besichtigten die Stadt, das Schweriner Schloss und natürlich den Schlosspark.

Als wir wieder zurück im Boot waren begann es zu regnen. Auf dem Weg zu unserem Ankerplatz musste ich mehrmals den Propeller von den Wasserpflanzen befreien, hier war es sehr flach und verkrautet. Als wir dann auf dem Schweriner Außensee in einer ruhigen Bucht Ankerten und gerade mit dem Abendessen fertig waren, Ankerte an unserer Backbordseite ein anderes Segelboot, der Graureiher. Ich überlegte ob wir unseren Anker nicht lieber umsetzen sollten, denn das Problem war mal wieder das der andere Segler den Schwojenkreis nicht richtig eingeschätzt hat und viel zu nah bei uns Ankerte. Dieses Problem habe ich oft. Entweder verschätzen sich die anderen, oder sie stecken selbst viel zu wenig Ankerseil oder Kette und denken das der andere auch so wenig gesteckt hat. Es ist doch allgemein bekannt, ja man lernt es sogar in der Fahrschule dass man bei einer Trosse mindestens das 10-Fache und bei Kette mindestens das 5 Fache der Wassertiefe auslegt. Im Zweifelsfall mehr, da ich auch dann schon erlebt habe das der Anker im Sturm nicht hält. Da ich eine 60m Blei-Ankerleine mit 10m Kettenvorläufer habe lasse ich immer, selbst wenn die Tiefe unter einem Meter beträgt die komplette Kette plus den Bleianteil der Trosse ins Wasser. Somit habe ich immer mindestens einen Drehkreis von 15m um den Anker. Da der andere ja auch noch einen gewissen, wenn auch vielleicht kleineren Drehkreis hat, kann ich nicht verstehen dass Boote im Abstand von 5m Ankern, wenn auch in 30m noch genügend Platz ist. Kurz gesagt, ich startete den Motor und verholte uns um ca. 20m. Jetzt konnten wir beruhigt schlafen.

Tags darauf schoben wir uns wieder unter der Klappbrücke hindurch, und hielten gegen 19:00 Uhr bei Elde km 86,4 an um zu schlafen. Wir hatten 2 Benzintanks a 22L an Bord, der erste war heute nach 103 SM leer.

Der nächste Tag brachte ein kleines Problem, der Motor sprang im kalten Zustand nur ohne Choke an. Das war nicht normal, dann bemerkte ich dass er nicht ganz rund läuft. Da machte ich mir schon ein bisschen Sorgen, wir hatten ja nur den einen. Das Problem verstärkte sich als er kein Standgas mehr hielt, und bei Schleusenmanövern immer aus ging. Der Höhepunkt war, als wir dann fast ein anderes Boot gerammt haben, weil der Motor beim Wechsel vom vorwärts- in den Rückwärtsgang aus ging, und ich uns somit nicht abbremsen konnte. Ich rief Katja zu dass sie uns fest halten soll, und sprang selbst nach Steuerbord um uns irgendwo in der Schleuse fest zu halten. Wenige Zentimeter vor dem anderen Boot kamen wir zum stehen. Jetzt musste ich etwas machen, ich fing mit dem einfachsten und logischsten an, ich wechselte die Zündkerze. Und schon war unser Problem behoben. In Plau fing es wieder an zu Gewittern und zu regnen. Da wir noch immer das Verdeck stehen hatten, störte uns das nicht. Wir Ankerten vor Malchow.

Am nächsten Tag gingen wir in Malchow in das DDR Museum. Vieles erinnerte uns dort an unsere Kindheit und Jugend. Es war richtig schön. Danach gingen wir in den Affenwald Malchow, es war ein weiter Fußmarsch bis dahin.

Es war toll die vielen kleinen Affen ohne durch Gitter getrennt zu sein beobachten zu können. Nachmittag fuhren wir nach Jabel wir wollten eigentlich zum Wisent-Gehege, aber wir fanden keinen freien Steg. Aus diesem Grund fuhren wir zum Kölpinsee wo wir Ankerten und Baden gingen. Denn heute war ein Sommertag.

Tag 10, wir fuhren wieder auf die Müritz und endlich wurde auch der Mast gestellt. Danach ging es gleich einmal über die komplette Müritz bis nach Rechlin.

Dort gingen wir an Land und kauften eine Melone die wir anschließend vor Anker genossen. Heute hatten wir unter Segel einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 5,7 kn erreicht.

Tags darauf fuhren wir zur Marina Claassee die aber zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz fertig war. Nachmittags waren wir baden, und am Abend ankerten wir vor Röbel. Endlich hatte der Segelsommer begonnen. Natürlich gab es auch immer mal ein paar Kleinigkeiten zu reparieren, aber das gehört beim Boot fahren dazu.

Wir machten am nächsten Tag einen kurzen Landgang in Röbel und fuhren nach Sietow wo wir den Müll abgaben und den Wassertank füllten. Ich bemerkte dass meine neue Sonnenbrille einen Riss hatte.

Für den vorletzten Tag hatten sich Gäste angemeldet. Aus diesem Grund segelten wir nach der Mittagspause vor dem Schloss Klink und weiteren Stopps um zu Baden bis nach Waren. Wir ankerten mit Blick auf Waren.

Um 11:00 Uhr am nächsten Tag setzten wir die Segel und es ging zusammen mit Katja’s Eltern nach Röbel. Wir segelten mit dem „grünen Heinrich“ um die Wette, hatten es aber extrem schwer schneller zu sein.

In Röbel begann es zu Gewittern. Nach einem kurzen Landgang machten wir uns auf den Rückweg. Nach dem Gewitter war natürlich der Wind weg und wir mussten fast den ganzen Rückweg mit Motor fahren. Unsere Gäste gingen um 20:30 Uhr von Bord und wir fuhren zu unserem Ankerplatz in der Binnenmüritz.

Der letzte Tag war sehr stürmisch, wir rasten nach Sietow, auf dem Weg dahin sind wir fast mit einem anderen Segelboot zusammen gestoßen. Wir waren Kurshalter aber der andere bemerkte uns nicht. Kurz vor dem Zusammenstoß betätigte ich die Hupe und fuhr das Manöver des letzten Augenblicks. Wir fuhren so nah aneinander vorbei dass ich bemerkte wie erschrocken der andere war. Er  entschuldigte sich im vorbeifahren bei uns und meinte er hat uns nicht gesehen.

 

Wir ankerten vor Sietow, legten den Mast und verbrachten unsere letzte Nacht an Bord.

Wir haben an 16 Tagen 248 Sm zurück gelegt.  Im nächsten Jahr sollte es auf jeden Fall mehr werden. Wir wollten wieder auf die Ostsee.

 

 

 

 

2006

Damit wir auf der Ostsee ausreichend motorisiert unterwegs sind, haben wir uns einen 55 PS Johnson Armee Aussenborder mit Handstart und Schubpropeller gekauft. Handstart, damit man ihn auch mit leerer Batterie starten kann.

Am 9.7.2006 ging es los, die Vorbereitungen hatten Tage gedauert und das Boot war voll beladen mit Proviant für die folgenden 3 Wochen.

Um 3:30 Uhr hieß es Abfahrt nach Wismar, aber was war dass, als ich die gefüllte elektrische Kühlbox einschalten wollte funktionierte sie nicht. Wir sind noch nicht einmal los gefahren, und hatten schon den ersten Defekt. Dementsprechend war auch unsere Stimmung. Wir beschlossen in Wismar eine neue zu kaufen, aber es gab keine die auch nur annähernd für uns in Frage kam. Also mussten wir in diesem Urlaub ohne gekühltes Essen aus kommen. Um 11:10 Uhr war unsere l‘espoir III im Wasser und wir verließen den Yachthafen Wismar der sich etwas außerhalb der Hansestadt befindet.

Wir legten an einem Steg des Wasserwanderrastplatz Wismar an, um den Mast zu stellen und einen kleinen Bummel in Wismar zu machen. Den Mast mussten wir gleich 2-mal Stellen, da wir beim ersten Mal den Verklicker vergessen hatten.

15:35 Uhr verließen wir Wismar und segelten durch die Wismar Bucht Richtung Meer. Wir hielten es nicht mehr aus, wir wollten unbedingt hinaus. Unser Ankerplatz für die Nacht befand sich bei 053°56,4’N 011°24,4’E. Wir grillten Steaks und genossen den Sonnenuntergang.

Da ich nicht mehr schlafen konnte schrubbte ich um 6:00 Uhr früh das Deck, welches voller toter Mücken war. Danach wurde gefrühstückt. Entlang der Küste segelten wir nach Rostock/Warnemünde. Wir schafften die 37 SM bis Warnemünde in  9 Stunden. Die neue Höchstgeschwindigkeit beim Surf eine Welle hinunter war 6,1 kn. Wir waren begeistert. Im alten Strom war kein Platz führ uns, also fuhren wir in die Marina Hohe Düne.

Diese war fast leer, man konnte die Yachten die dort lagen an 2 Händen abzählen. Es war richtig komisch fast allein in Deutschlands angeblich einzigem 5 Sterne Yachthafen zu sein. Nach einem kurzen Gewitter machten wir Warnemünde unsicher. Das Wetter war den ganzen Tag schön mit Sonnenschein,  rund 27°C Luft- und 21°C Wassertemperatur.

Am nächsten Tag wollten wir nach Rostock fahren, aber da wir Wind mit Stärke 5  hatten beschloss Katja schon heute nach Dänemark zu segeln, weil es ja bei dem schönen Wind bestimmt schneller geht. Heute würde sie das nicht mehr tun. Ich ahnte schon was da auf uns zu kommt, aber ich willigte sofort ein, da ich keine Lust auf Rostock hatte. Und los ging der wilde Ritt nach Gedser. Katja wurde immer ruhiger, sie saß nur noch Kreidebleich in der Ecke und nach kurzer Zeit war es dann so weit. Sie hing über der Reling. Leider an der Luvseite. Anschließend wollte sie die Spuren mit einem Eimer Wasser beseitigen, konnte ihn aber beim füllen im Meer nicht halten und ließ los. Das war das Ende unseres schönen Eimers. Katja ging es danach wieder besser, der Ärger über den verlorenen Eimer war stärker als die Seekrankheit. 14:30 Uhr waren wir mitten in der Kadettrinne. Wir waren erstaunt wie viel Schiffsverkehr hier draußen ist. Das ist uns vor 2 Jahren mit der l‘espoir II überhaupt nicht aufgefallen.

17:25 Uhr fiel der Anker östlich von Falster in einer geschützten Bucht.

Langsam bekamen wir vertrauen zum Meer, nicht das die Ehrfurcht sinkt, aber man bekommt ein anderes Gefühl für das Meer und das eigene Boot.

Tags darauf segelten oder vielmehr dümpelten wir weiter. Wir wollten bis zur Insel Mön, aber auf dem Vorwindkurs ging es nur mit ca. 1 kn voran. Wir hatten das Problem welches viele Segler auf diesem Kurs haben, die Genua wollte nicht stehen. Ich baumte sie mit Hilfe des Bootshakens was hervorragend funktionierte aus. Dann klappte ich noch den Aussenborder und das Schwert hoch. Der daraus resultierende Geschwindigkeitsgewinn betrug fast einen kn. Das Kochen war bei der Spiegelglatten See kein Problem. Es war aber Anstrengend den ganzen Tag am Steuer zu sitzen.  Deshalb beschloss ich nach dem Urlaub einen Autopiloten zu kaufen. Nachmittag übernahm Katja für ein paar Stunden das Steuer und ich inspizierte das Boot. Dabei bemerkte ich dass sich eine Naht am Unterliek der Genua durch das Schamfielen an der Reling gelöst hatte. Ich flickte die Naht mit Hilfe einer Nähahle, die ich noch kurz vor dem Urlaub gekauft hatte.  Ca.18:00 Uhr setzte plötzlich Wind der Stärke 4 ein und es begann zu Regnen. Alles ging so schnell dass mir keine Zeit blieb, den Bootshaken den ich zum Ausbaumen genommen hatte, zu entfernen. Da er dieser Belastung nicht gewachsen war knickte er ab. Durch den Wind erreichten wir den Hafen von Klintholm nun schon 19:00 Uhr. Wir betraten in diesem Jahr zum ersten Mal dänischen Boden. Als Willkommen wurden auch gleich 14 Euro Hafengebühr fällig.

Zu sehen gab es hier nicht viel, der Hafen war sozusagen das Zentrum des Ortes. Wir machten nur einen kurzen Strandspaziergang.

Der nächste Tag lief ähnlich ab, bei wenig Wind segelten wir los, und hatten gegen 14:00 die Kreidefelsen von Mön querab.

Ich verbesserte viele Kleinigkeiten an Bord. Durch das ständige Leben an Bord, hat man die besten Ideen was man am Boot so alles noch verändern und verbessern kann. Man vergisst die ganze Welt um sich herum und lebt in seiner eigenen Welt. Diese Welt schwimmt und ist 7,2 m lang und 2,5 m breit. Es ist einfach herrlich.

Nach dem Sonnenuntergang Ankerten wir in einer schönen ruhigen Bucht vor dem kleinen Fischerdorf Rödvig.

Beim Verlassen des Ankerplatzes am nächsten Morgen berührten wir mit der Motorfinne einen großen Stein am Meeresgrund. Wir segelten bei Windstärke 1-2 bis an die Südküste der Halbinsel Amager. Dort Ankerten wir auf 0,5 m Tiefe ca. 5 Sm vom Land entfernt.  Wegen dem flachen Wasser holte ich Ruderblätter und Schwert auf, aber ein Ruderblatt hing wie schon so oft. Also hieß es ab ins Wasser und das  Ruderblatt mit der Hand lösen.

Es war eine sehr unruhige Nacht. Es kam Wind mit einer Stärke von 3-4 Beaufort auf, demzufolge wurden wir richtig durchgeschaukelt. Wegen der Schaukelei und der Vorfreude heute Kopenhagen zu erreichen, fuhren wir bereits um 6:00 Uhr weiter.  Wie man auf dem Foto sieht stand eine dunkle Wolke vor der Sonne. Im Hintergrund sieht man schon die Oresundbrücke.

Heute war Nordwind das heißt genau von vorn. Also kreuzten wir uns in den Sund. Als wir die Halbinsel Amager querab hatten ging es nicht mehr richtig voran, wir machten kaum noch Raum nach Luv gut. Mit jedem Schlag weniger, manchmal machten wir gar nichts gut. Wir experimentierten mit dem Segeltrimm und der Rollgenua. Man hatte das Gefühl dass wir richtig gut Segelten, aber laut GPS machten wir keine Seemeile  gut. Jetzt wissen wir, dass es an der Strömung lag, wenn der Wind von Norden durch den Sund geht baut sich auch eine Strömung von Norden her auf. Wir hatten kein Log um die Differenz zwischen Geschwindigkeit über Grund und Geschwindigkeit durch das Wasser fest zustellen. So kreuzten wir weiter, viele größere Segelboote überholten uns, sie liefen schneller und auch mehr Höhe als wir. Durch Wind und Strömung stand auch eine beträchtliche Welle im Sund. Bei einem der beiden Davits an denen unser Beiboot hing, riss die untere Befestigung ab. Wir mussten das Schlauchboot ab nehmen und schleppen was bei dem Seegang auch kein leichtes Unterfangen war. Es war bereits 15:00 Uhr und wir hatten es mit Kreuzen fast bis Kopenhagen geschafft. 2 Sm trennten uns noch vom Hafen Margreteholms. Wir starteten den Motor und fuhren gegen die Welle in den Hafen. Einen Liegeplatz gab es noch. Wir hatten uns schon einen Hafen ausgesucht der weit außerhalb liegt, und selbst dieser war jetzt voll. Ich demontierte beide Davits, ließ die Luft vom Beiboot und verstaute beides im Boot. Nun mussten wir diesen Urlaub auf unser Dingi verzichten, denn zum jedesmal aufpumpen hatten wir keine Lust. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang und gingen dann zeitig schlafen um uns von dem anstrengenden Tag zu erholen.

Am nächsten Tag, es war der 15.07.2006 gingen wir in den Hafenshop wo wir neues Geschirr mit einem Wal kaufen wollten. In dem Laden nahmen sie aber weder EC noch Visa, also ließen wir es und gingen 10:30 Uhr los um Kopenhagen unsicher zu machen. Es war wirklich sehr weit vom Hafen bis in die Stadt wir liefen fast 2 Stunden. Alles was in Katjas Reiseführer als Sehenswert stand, sahen wir uns an.

        

 

Wozu natürlich auch die kleine Meerjungfrau gehörte.

19:45 Uhr waren wir zurück an Bord, fix und fertig und mit Blasen an den Füßen.

Am Sonntagmorgen überquerten wir den Sund, es war schön warm mit Wind von 1-2 aus Nordwest. Also richtig erholsam.

15:30 Uhr legten wir im Hafen Malmö an einer hohen Kaimauer an. Die Yachthäfen waren alle außerhalb, wir wollten auf keinen Fall heute wieder so weit laufen, also entschieden wir uns für die Kletterpartie um das Boot zu verlassen.

Malmö ist eine sehr schöne schwedische Stadt mit einem Imposanten gedrehten Turm den man schon vom Sund aus sieht. Der Landgang viel relativ kurz aus. Da wir noch kaputt von Kopenhagen waren.

Wir schliefen sehr ruhig im Hafen, es fuhren zwar viele große Schiffe die aber alle kaum Wellen machten.

Früh nahmen wir ausgeschlafen den Kurs gen Süden, Richtung Deutschland auf. Natürlich war heute Südwind. Wir mussten wieder kreuzen. 15:30 Uhr passierten wir die Oresundbrücke, ein mächtiges Bauwerk von rund 8 km Länge welches Dänemark mit Schweden verbindet.

Wir Ankerten an diesem Abend in der Höllviken Bucht kurz vor dem Falsterbo-Kanal der mit einer Klappbrücke im Norden beginnt.

Nach einer halben Stunde Wartezeit an der Brücke fuhren wir am nächsten Morgen durch den Kanal und weiter bis Trelleborg. In der Bucht von Trelleborg sank die Wassertemperatur bis auf 12°C ab.

Auch Trelleborg selbst hat keinen Yachthafen, wir machten in Abborrvägen bei Trelleborg fest, und fuhren mit dem Bus in die Stadt.

Heute war einkaufen bei Ahlens einer nordischen Kaufhauskette angesagt, Katja hat einen weißen Rock gekauft.

Am Abend studierten wir Aufmerksam die Seekarten und das Wetter, wir wollten am nächsten Tag die Überfahrt nach Deutschland wagen. Der Wetterbericht meldete Flaute, und so kam es auch. Bis Mittag segelten wir noch um die 3 Knoten, aber Nachmittag ging gar nichts mehr, wir hatten ungefähr ein Drittel der Strecke und jetzt war der Wind weg. Die Ostsee war Spiegelglatt und es war brennend heiß. Also warteten wir, Motor starten kam für uns nicht in Frage.

17:30 Uhr kam Wind aus Westen auf, der sich bis 19:00 Uhr bis zu Stärke 3 aufbaute. Die Überfahrt war an diesem Tag nicht zu schaffen, also traf ich alle Vorbereitungen für meine erste Segelnacht.

Die Schifffahrtsroute passierten wir im letzten Dämmerlicht. Aber auch im Dunkeln begegneten wir immer wieder Schiffen. Katja schlief bereits, somit war ich auf mich selbst angewiesen.

Es ist nicht einfach nur Anhand der Positionslichter einzuschätzen ob man ein Schiff Achtern passiert, oder ob es noch vor uns selbst durchfährt. Eins kam uns so nahe das ich den Schiffsdiesel laut hämmern und auch Stimmen auf Deck hörte. Es war eine sehr aufregende Nacht. 6:30 Uhr warf ich westlich von Hiddensee den Anker und ging endlich schlafen.

Der weitere Verlauf der Reise war sehr Erholsam, wir fuhren nach Stralsund, auf dem Weg dorthin hatten wir eine Kontrolle durch den Zoll. In Stralsund besichtigten wir die Gorch Fock und das Meereszentrum. Abends verließen wir immer den Hafen und Ankerten davor um Hafengebühren zu sparen. Einen Tag bekamen wir Besuch von Katjas Eltern mit denen wir einen kleinen Ausflug bei Flaute in den Strelasund machten. Nach 3 Tagen Stralsund Segelten wir mit Zwischenstopp für eine Nacht vor dem Darßer Ort nach Warnemünde. Unser aufgeschobener Landgang in Rostock musste unbedingt noch sein.

Im Yachthafen Hohe Düne der jetzt auch bedeutend voller war, füllten wir den Wassertank und Tankten 35,6 L Benzin zu 51,3 Euro. Nur für den Fall das wir die nächsten 2 Tage Flaute haben. Wir mussten ja pünktlich zurück in Wismar sein. Auf dem Weg nach Wismar machten wir noch einen halt in Kühlungsborn. Der Hafen war extrem voll, aber wir hatten trotzdem noch einen Platz bekommen und blieben auch die Nacht gleich da.

Am vorletzten Tag segelten wir zurück nach Wismar und legten den Mast damit wir an unserem letzten Urlaubstag nur noch Slippen und nach Hause fahren müssen, was wir um 7:30 Uhr auch angingen. Benzin hätten wir nicht mehr benötigt,  wir hatten die letzten Tage immer eine ausreichende Brise Wind. Wir legten an den 21 Urlaubstagen 430 Seemeilen unter Segel zurück.

Es war mal wieder ein gelungener Urlaub der Lust auf Meer machte.

 

 

 

 

2007

Es war Donnerstag der 28.06.2007, wir hatten Urlaub und fuhren voller Erwartungen nach Wieck (Greifswald). Auf der Autobahn waren dann erst einmal 20 € fällig. Auf gerader Strecke vor einem Rastplatz war 70, da wir mit Trailer sowieso nur 80 gefahren sind, und man auf der Autobahn wenn man nur 80 fährt nicht damit rechnet dass man zu schnell ist, wurden wir natürlich gleich heraus gewunken.

Als wir dann in Wieck ankamen stand am Tor von Yacht Elektrik Schulze ein Schild: Wegen Krankheit geschlossen. Und ich hatte doch eine Woche vorher angerufen und abgeklärt dass wir heute kommen und unser Auto auf dem Grundstück abstellen wollen. Wir trafen dann doch noch jemanden an und konnten nach dem Slippen das Auto und den Trailer für 5 € pro Nacht auf dem abgeschlossenen Gelände abstellen.

Endlich geschafft, dachten wir, aber die Probleme gingen weiter:

1.    der Mitnehmer vom Handstarter des Außenborders rastete nicht ein, hier half Öl

2.   das Schwert klemmte und ließ sich nicht herunter klappen. Also musste ich bei Regen und 15°C Außentemperatur in das kalte Wasser. Ein Stück Schilf hing im Klappmechanismus.

3.   Als wir dann den Mast gestellt hatten und das Großsegel setzten bemerkte ich das 2 Befestigungsschrauben der Lattentaschen fehlten. Und das alles obwohl ich vor Antritt des Urlaubs einen ganzen Tag das gesamte Boot überprüft habe. Wir mussten zurück nach Wieck und im Yachtshop Niro Schrauben für unser Segel kaufen.

 

Als ich das Segel repariert hatte ging es dann endlich bei Windstärke 5-6 und Nieselwetter Richtung Rügen.

Wir mussten das erste Reff einbinden, da das Boot kaum noch auf Kurs zu halten war. 18:35 Uhr Ankerten wir vor Rügen in einer windgeschützten Bucht bei Thiessow. Wir grillten und erholten uns von dem anstrengenden ersten Tag. Es konnte ja nur besser werden.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Bornholm (60 SM). Wir segelten um 7:00 Uhr los und erreichten den Hafen Ronne ca. 2:00 Uhr im Regen. Wir hatten Probleme bei den schlechten Sichtverhältnissen die Hafeneinfahrt zu finden. Plötzlich tauchte noch ein 2. Segelboot auf welches erst als es uns bemerkte das Licht einschaltete. Im Hafen hatten fanden wir keine freie Box, also legten wir am Kai an und fielen erschöpft in die Koje.

Nach dem Ausschlafen machten wir Ronne unsicher.

Im Hafen hatte man ein Haus für die Enten gebaut. (siehe Foto)

Ca. 13:30 Uhr verließen wir Bornholm in Richtung Simrishamn in Schweden. Es war wieder ordentlich Wind mit bedecktem Himmel kühlen 15°C und sehr hohen Wellen. Das schlechte Wetter begleitete uns bis auf wenige Ausnahmen fast den gesamten Urlaub. Wir hatten in diesem Jahr einen Autopiloten der uns das Leben an Bord extrem erleichterte. Kurz vor dem Urlaub hatte ich dann noch eine Kardanik für unseren Kocher gebaut, also kochten wir jetzt sogar bei dem starken Seegang.  Ca. 16:00 Uhr wurde der Wind und die Wellen so stark das ich wieder ans Ruder musste. Der Autopilot war überfordert. Um 19:00 Uhr erreichten wir einen kleinen Fischerhafen bei Simrishamn der sehr voll war. Wir legten an der Kaimauer nahe der Ausfahrt an. Das Wasser war hier extrem klar, hatte nur 12°C und es waren viele kleine Krebse oder Garnelen zu sehen. Ich nutzte die Gelegenheit um mich zu waschen und zu rasieren, was bei den Temperaturen keine Wonne war.

Früh am nächsten Morgen ging es wieder weiter Richtung Karlskrona. Da wir wieder sehr zügig unterwegs waren, beschlossen wir die Nacht durchzufahren und in den Kalmarsund zu fahren. Die Nacht war lang und kalt. Ich hatte die erste Wache. Wir wechselten uns gegen 3:00 Uhr ab. Katja fand ihre erste Segelnacht sehr gruselig, vor allem in der Nähe des Leuchtfeuers Utklippan.

Am nächsten Tag um 22:10 Uhr erreichten wir nach 38 Stunden und 114 SM den Hafen von Kalmar. Die Hafeneinfahrt war wieder etwas kompliziert, es gab hier viele Steine und das Ansteuerungsfeuer war nicht eindeutig.

Im Hafen war ein netter Schwede der uns auf englisch Willkommen hieß.

Wir machten einen kurzen Landgang um den Müll von Bord zu bringen, füllten den Wassertank und gingen schlafen.

Der nächste Morgen begann tief grau und mit viel Regen.

So blieb es auch den ganzen Tag bei Temperaturen um die 15°C.

 

 

Wir segelten durch die Brücke über den Sund bei Kalmar weiter Richtung Norden. Die Sicht war so schlecht, dass wir rings um uns kein Land sahen, obwohl der Sund an dieser Stelle keine 10 Sm breite hatte. An diesem Tag musste ich mehrmals unser Schlauchboot ausschöpfen.

Auf dem Foto sieht man die Insel Bla Jungfru.

Wir wollten an diesem Tag bis Byxelkrok auf Öland kommen. Wegen des wenigen Windes kamen wir aber nicht so weit. Wir Ankerten vor Öland.

Wir konnten nicht ruhig schlafen, der Wind hatte sich komplett gelegt, aber es war eine Restdünung im Sund. Diese hatten wir von der Seite und das Boot schaukelte die ganze Nacht. Als endlich der neue Tag begann fuhren wir mit dem Schlauchboot an Land. Wir wollten wenigstens einmal Öland betreten.

Nach einem kurzen Spaziergang ging an Land ging es im Strömenden Regen weiter. Wir wollten bis zur Insel Kvädö. Wegen des geringen Windes gaben wir dann 20:45 Uhr auf und Ankerten in der Nähe des Schwedischen Schärengartens auf der Position 57°46,2’N 16°49,7’E.

In der Nacht kam Wind der Stärke 5-6 auf. Da ich bei der Schaukelei sowieso nicht mehr schlafen konnte, beschloss ich 2:30 Uhr weiter zu segeln. Durch den Wind hatte sich der Anker extrem tief eingegraben. Ich hatte Probleme ihn auszubrechen. Ich zerrte fast eine halbe Stunde am Ankerseil bis ich den Anker an Bord hatte. Mehrfach hatte ich überlegt das Ankerseil zu kappen, aber das wollte ich nicht. Problematisch war es auch sich beim ziehen am Ankerseil selbst fest zu halten, denn das Boot schaukelte enorm.

Als Katja um 6:00 Uhr aus der Kajüte kam, kämpfte ich noch immer gegen Wind und Welle um jeden Meter. Der Wind kam natürlich aus Norden, also mussten wir gegen an. Mittag wurden Wind und Wellen so hoch dass wir nicht mehr vorwärts kamen. Wir konnten nicht mehr und wussten auch nicht was wir machen sollten. In der Nähe musste der Hafen von Kvädö sein, aber ich hatte keine Chance bei dem Seegang unsere Position in der Seekarte zu ermitteln. Einen Kartenplotter hatten wir nicht. Wir waren schon gefährlich nah am Land. Überall waren Felsen im Wasser. Dann machte ich eine grüne Tonne in der Ferne aus. Mit Hilfe des Motors fuhren wir Richtung Fahrwasser, und eine halbe Stunde später waren wir in den geschützten Schären und konnten aufatmen. Wir legten 13:30 Uhr an einer kleinen Fischerinsel an. Der Fischer der gerade sein Netz flickte gestatte uns sogar über Nacht zu bleiben. Er sah uns sicher unsere Erschöpfung an.

Wir machten das Boot klar, hingen die Sachen und Handtücher zum trocknen auf und machten einen Inselrundgang. Auf der Insel gab es nur ein paar Fischerhütten und einen kleinen Anleger mit Fischräucherei. Am späten Nachmittag mussten wir unser Boot umsetzen, da das Wassertaxi mit Leuten und Verpflegung kam.

Als wir am nächsten Morgen um 6:00 Uhr weiter wollten, hatte sich das Meer wieder beruhigt. Der Wind kam mit Stärke 4 von vorn. Pünktlich zu Mittag schlief der Wind ein. Wir hatten gerade mal die Schären verlassen. Nach 2 Stunden herumtreiben machten wir dass was wir eigentlich in dieser Situation noch nie gemacht haben. Wir starteten den Motor und nahmen Kurs Richtung Korpen. 18:30 Uhr kam wieder etwas Wind auf. Zwar aus Norden, aber immerhin.

Als gegen 22:00 Uhr der Wind beständig mit Stärke 4 aus Nordwest blies, beschlossen wir die Nacht durch zu Segeln, und änderten den Kurs Richtung Landsort.

Am Morgen des 7.7.2007 kreuzten wir bereits vor den Stockholmer Schären und um 10:00 Uhr konnten wir in den Schären Kurs Richtung Stockholm aufnehmen. Wir hatten es so gut wie geschafft. Ab hier hatten wir auch einen genauen schwedischen Water Almanac, ein Seekartensatz für die Stockholmer Schären. Es war ein Genuss mit diesen Seekarten durch die Schären zu Manövrieren. Das Segeln ist hier sehr Anspruchsvoll, da sich der Wind durch die Felsen schlängelt, und hinter jeder Ecke aus einer anderen Richtung kommt oder schlagartig wieder einsetzt.

Um 21:15 Uhr ankerten wir bei Regen nahe der kleinen Insel Bjorko. Ich ging trotz der Kälte Baden und rasierte mich. Ich wollte schließlich gestriegelt in Stockholm ankommen.

Der letzte Tag der Anreise, noch 30 SM bis Stockholm. Wir segelten zeitig weiter. Zu Mittag wollten wir heute nur mal schnell während der Fahrt eine Büchse Mexikanischen Feuertopf warm machen, der Wind erreichte uns nicht da der Ort Dalarö, der auf einem Felsen liegt, den Wind verdeckte. Also benutzten wir leichtsinnigerweise keinen Topf sondern machten die Büchse gleich so auf dem Kocher im Cockpit warm. Katja saß am Steuer und ich hielt die Büchse. Auf einmal begann es zu Regnen. Da ich schnell unsere Sachen die wir zum trocknen auf gehangen hatten retten wollte, ließ ich den Kocher unbeaufsichtigt. Das hätte ich nicht tun sollen den zum Regen kam auch noch plötzlicher Wind. Das Boot krängte, die Büchse viel vom Kocher und der Feuertopf verteilte sich im Cockpit. Jetzt wollte ich nur noch Katja am Steuer zu Hilfe eilen denn Sie hatte das Boot nicht mehr unter Kontrolle,  ich kam aber nicht sogleich zu ihr, durch die Suppe im Cockpit war es so glatt, dass ich mich nicht mehr halten konnte und ständig ausrutschte. Jetzt übernahm ich das Steuer und hatte auch keinen Hunger mehr. Katja war damit beschäftigt das Chaos an Bord zu beseitigen. Im Ingaröfjord hatten wir den Wind komplett von vorn. Da der Fjord nicht sehr breit ist hatten wir mit dem kreuzen keinen großen Erfolg. Also starteten wir den Motor, aber was war dass in der Aussenborderwanne saß ein großer Frosch. Ich holte ihn heraus und ließ ihn in Ufernähe ins Wasser, schließlich sollte er nicht in den Propeller kommen.

Katja steuerte wieder, also nutzte ich die Zeit um zu kontrollieren wo das ganze Wasser im Boot her kam welches schon seit Tagen für das Tropfsteinhöhlenklima an Bord sorgte. Das Wasser kam unter dem Kajüt-Tisch hervor, also gab es wohl eine Undichtigkeit im Schwertkasten die bei hohen Wellen Wasser in die Kajüte eindringen ließ. Ich demontierte den Tisch und sah die Bescherung.

Also musste ich in Stockholm außer Wasserdichten Handschuhen, Gummistiefeln und einer Eisensäge auch noch Sika besorgen. Auf jedem Törn wurde unsere Werkzeugbox umfangreicher. Man kann fast sagen, dass unsere Werkzeugbox unsere Andenken beherbergt. Außerdem bemerkte ich noch dass ein Ladekabel von den Solarzellen an gescheuert war. Ich flickte es erst einmal mit Isolierband.

20:40 Uhr legten wir bei Regen im Stockholmer Hafen Navishamn an. Wir hatten es geschafft. Nach 11 Tagen und 478 SM waren wir angekommen.

Nach einer erholsamen Nacht betraten wir endlich mal wieder richtig Land. Wir blieben 2 Tage in Stockholm. Neben Sightseeing besorgten wir auch noch alles für die Reparatur des Bootes Notwendige.

Vom Stockholmer Fernsehturm aus hatten wir einen schönen Rundumblick über die Stadt.

Als wir mit dem Fahrstuhl wieder herunter fuhren gab es plötzlich Feueralarm im Fernsehturm, alle mussten den Turm sofort verlassen. Gut dass wir gerade unten an gekommen waren. Ein paar Minuten später kamen Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen. Nach einer guten Viertelstunde entpuppte sich das ganze als Fehlalarm, und wir konnten noch einmal hinein. Katja wollte sich doch noch ein Andenken kaufen.

 

        

 

Am zweiten und letzten Abend in Stockholm erledigte ich alle Reparaturen an Bord. Ich hatte bei Claas Ohlson alles was ich benötigte bekommen. Claas Ohlson ist eine Ladenkette im Skandinavischen Raum, die sehr zu empfehlen ist. Dort gibt es Bootszubehör, Werkzeug und Elektronik. Ich hatte mir sogar eine kleine Handbohrmaschine zum kurbeln gekauft. Mit deren Hilfe konnte ich sogar die Messinghülse für den Autopiloten neu fixieren. Der Tisch sollte jetzt auch dicht sein. Wir hatten auch die Cockpitteppiche zum trocknen auf gehangen. Jetzt hatten wir auch kein Tropfsteinhöhlenklima mehr an Bord. Die Rückfahrt konnte also beginnen.

Am 11.7.2007 um 8:20 Uhr verließen wir unseren Hafen. Einen Stop zum Staunen machten wir an einem Renntrimaran der im Hafenbereich lag. Der Rückweg ging wieder durch die Schären, obwohl uns die Malären auch sehr reizten. Aus Zeitmangel nahmen wir aber den kürzeren Weg. Kurz nach Stockholm machten wir einen Stop an der Wassertankstelle, dort tankten wir 30L Gemisch.

Heute war vom Wetter her der erste schöne Urlaubstag. Richtig warm war es nicht, aber wenigstens 20°C und Sonnenschein. Wir hatten keine Lust auf die Heimreise, deshalb blieben wir heute schon 17:30 Uhr auf einem wunderschönen Ankerplatz vor Gunnarsholmen. Wir ruderten mit dem Beiboot an Land und machten einen kleinen Spaziergang. 

Das war auch gut so, denn die nächsten 60 Stunden haben wir kein Land mehr betreten, ja nicht einmal geankert um zu schlafen. Wir segelten durch bis Oskarshamn im Kalmarsund. Auf dem Weg dahin bei Regen viel Wind und ungemütlichen Temperaturen musste ich 2 Schalter in der Schalttafel tauschen und die Hilfspinne für den Autopiloten notdürftig flicken. Das war schon den gesamten Urlaub meine Hauptaufgabe, als ich die Hilfspinne aus VA gebaut habe, wusste ich nicht was sie für Belastungen standhalten muß. Das war eindeutig eine Fehleinschätzung. Diesen Fehler konnte ich aber erst Zuhause endgültig beheben. So lange hieß es Improvisieren. 

Auf dieser für unser Boot langen Etappe sahen wir schöne Sonnenunter- und Aufgänge. Wir führten in diesen 3 Tagen auch unser erstes Gespräch mit unserem Satellitentelefon.

Wir waren froh als wir endlich Öland sahen und in den Sund einfuhren. Wir wollten in den Hafen von Byxelkrok auf Öland. Da sich das Wetter extrem verschlechterte und es zu Stürmen begann waren wir froh als wir den Hafen erreichten. Wir bekamen aber keinen Platz, nicht einmal im Päckchen. Der Hafenmeister winkte uns ganz vor, da wir ja ein kleines Boot sind, aber in die uns zugewiesene Lücke passten wir nicht. Dadurch dass es an dieser Stelle auch sehr flach war musste ich das Schwert und die Ruderblätter aufholen. Somit war aber das Manövrieren bei dem starken Seitenwind fast unmöglich, bei den 2 Anlegeversuchen rammten wir fast die Kaimauer. Ich gab auf wir mussten uns einen anderen Hafen suchen. Es war zwar Sturm aber der kam ja von Norden also von hinten und außerdem waren wir im Sund. So schlimm konnte es also nicht werden. Wurde es auch nicht 19:50 Uhr erreichten wir dann Oskarshamn. Wir hatten in den rund 60 Segelstunden 180 SM zurück gelegt. Für unser Boot ein guter Wert. Wir waren zufrieden. Ein kurzer Landgang musste auch noch sein, aber weiter als bis zum Hafenausgang kamen wir nicht, ich konnte nicht mehr, die letzte Etappe war einfach zu Anstrengend. Bis in die Stadt wären es laut Wegweiser auch 6 km gewesen. Wir gingen lieber gleich schlafen.

Die nächste Etappe war Oskarshamn – Kalmar, welches wir nach 12 Stunden auch erreichten. Leider war bei diesem stürmischen Tag die Hilfspinne für den Autopiloten komplett gebrochen. Wir steuerten also bis Kalmar selbst.

Das erste Anlegemanöver missglückte.  Und wie das auch immer ist, das zweite war nicht besser, im Gegenteil, der Festmacher wickelte sich um den Propeller und wir standen komplett Manövrierunfähig da. Jetzt musste alles schnell gehen, Propeller befreien, Motor an und beherzt Gas geben bevor wir irgendwo anstießen. Hinzu kamen ja auch die schlechten Lichtverhältnisse. Es war schon spät. Der 3. Versuch Funktionierte endlich so wie es sein soll.

Am nächsten Tag war herrliches Sommerwetter,  ich habe auch auf der Hinfahrt schon festgestellt dass es in Kalmar von den Temperaturen in Schweden am wärmsten ist. Dies bestätigte sich jetzt wieder. Auch die Wassertemperatur war hier am höchsten.

Wir machten am Vormittag einen schönen Landgang. Kalmar hat mir fast noch besser gefallen als Stockholm, was sicher auch am Wetter lag. Ich besorgte für meine Hilfspinne eine VA Gewindestange bei Claas Ohlson.

 

Nach dem Mittagessen, Katja machte Bratkartoffeln mit Brathering, segelten oder vielmehr dümpelten wir los.

Heute war absolute Flaute wir trieben Stundenlang vor Kalmar. Jeder suchte sich eine Beschäftigung an Bord. Weil sich die Kulisse von Kalmar nicht veränderte, und das GPS nur 0,0-0,1 Kn anzeigte kümmerte sich keiner wirklich um unsere Position.

Das rächte sich bald, auf einmal klapperte und schabte es am Schwert, ich sah auf das Echolot und erschrak, 90 cm Wassertiefe. Ein Blick über Bord ließ mich erneut erschrecken. Ich sah den steinigen Grund der immer flacher wurde. Jetzt musste es schnell gehen, Schwert und beide Ruderblätter hoch, Motor runter, starten und sachte zurück setzen. Glück gehabt wir waren mit dem Schrecken davon gekommen und waren wieder um eine Erfahrung reicher. So etwas darf nicht passieren, es war der Pure Leichtsinn.

Gegen Abend kam endlich wieder Wind auf. Wir beschlossen die Nacht durch zu Segeln. Der Autopilot arbeitete ja wieder einwandfrei. Bei einer Nacht sollte es aber wieder mal nicht bleiben. Wir kamen in der Nacht in eine Flaute und kamen dadurch kaum vorwärts. Hätten wir doch  nur den Motor angemacht, denn so hätten wir rechtzeitig Utklippan erreicht, und uns hätte das Gewitter am Morgen nicht auf offener See überrascht. Es ist aber alles gut gegangen. Nach dem Gewitter kam auch wieder Wind auf, und die Fahrt ging weiter Richtung Simrishamn welches wir am nächsten Abend nach rund 60 Segelstunden erreichten. Wir legten in den 60 Stunden nur rund 160 SM zurück. Wir hatten ja zwischendurch Flaute, Gewitter und dann Wind mit stärke 5 und Raue See von vorn. Es war mal wieder ein Gewaltritt.

Jetzt hatten wir nur noch die Überfahrt nach Deutschland vor uns.  Wir verließen den Hafen von Simrishamn am 19.7.2007 um ca. 9:00 Uhr und nahmen Kurs Richtung Sassnitz. Es war sommerlich warm mit wenig Wind. Gegen 22:00 Uhr verließ uns der Wind komplett. Als wir um 0:00 Uhr direkt über der Ronnebank waren, warf ich den Anker. Und wir gingen schlafen. Ich stellte den Wecker auf 6:00 Uhr, aber um 6 waren wir mitten im Dunst, das Wasser war Spiegelglatt. Also legte ich mich noch 2 Stunden hin. Um 8:00 Uhr hatte sich zwar der Nebel aufgelöst, aber Wind war noch immer nicht, dieser setzte erst 2 Stunden später mit der Stärke 2 aus West ein. Wir setzten nun Kurs auf Greifswald.

22:20 Uhr Ankerten wir südlich von Rügen. Wir hatten es so gut wie geschafft uns trennten noch rund 25 SM von Wieck, welche wir am Vormittag unseres vorletzten Urlaubstages zurück legten.

Da zum Ende des Urlaubs der Sommer begann, gingen wir das erste Mal Baden. Danach legten wir den Mast und erholten uns noch vom Stress der letzten Etappe. Auch ein paar kleine Reparaturen standen noch an. Z.B. musste ich die Großfall nachsetzen, da diese am Mastaustritt fast durchgescheuert war. Das hätte schief gehen können. Wir waren Froh und stolz über unsere Leistung. Wir haben an 25 Tagen 997 SM zurück gelegt.

Nicht zufrieden waren war mit der Hilfspinne des Autopiloten, die hatte sich als totale Fehlkonstruktion erwiesen, der 55 PS Motor  erwies sich als totaler Blödsinn, denn auf Langfahrt benötigt man einen sparsamen Motor. Auch ein Kartenplotter wäre nicht schlecht. Es gab also wieder einiges zu verbessern.

 

 

 

 

2008 Chartertörn

In den Osterferien vom 22.3-29.03. 2008 mieteten wir in Road Town auf Tortola welches zu britischen Jungferninseln (british virgin islands BVI) eine Beneteau Oceanis 323. Die Charterfirma war Sunsail.

Von Berlin Tegel aus ging es mit einer Lufthansa Maschine nach Paris Charles de Gaule, und von da aus weiter mit Air France nach St. Maarten. Dort stiegen wir in einen Inselhüpfer der karibischen LIAT Linie der uns nach Tortola brachte.

Mit dem Taxi ging es dann weiter zur Charterbasis. Wir übernahmen das Boot noch am selben Abend. Am nächsten Tag gab es noch eine Unterweisung in die Besonderheiten des Revieres (Charterbriefing) auf English.

Danach ging es los. Wir segelten alle kleinen Inseln rund um Tortola ab. Ich möchte noch einmal kurz erwähnen dass es sich bei den BVI’s um ein einfaches Anfängerrevier handelt. Es gibt hier keinen Gezeitenstrom da die Inseln im Passatgürtel liegen hat man hier gleichmäßigen Passatwind. Das macht das Segeln zum reinsten Vergnügen. Im Briefing bekamen wir den Rat, Tortola entgegen des Uhrzeigersinns zu runden. Wir machten natürlich das Gegenteil und hatten dadurch das Glück nicht mit der Masse der Charterboote zu Segeln. In einer einsamen Bucht auf der Nordseite von Jost van Dyke Ankerten wir mitten in einer Delfinschule.

Ich ging gleich ins Wasser um mit den Delfinen zu schwimmen. Kam aber nicht näher als 10 Meter an die Tiere heran. Die Karibik ist auch ein wunderbares Tauch und Schnorchel Paradies. Ich hatte zum ersten Mal die Möglichkeit meine Schnorchelausrüstung zu nutzen.  Einen Landgang machten wir auch bei the Baths auf Virgin Gorda. Hierbei handelt es sich um große Felsen, die eigentlich nicht in die sonst übliche Vegetation der Karibik passen und somit einzigartig sind.

                    

          

                     

Häfen gab es nur auf Tortola  und Virgin Gorda. Ansonsten wird in den traumhaften Buchten geankert. Ohne motorisiertes Beiboot hat man in der Karibik kaum eine Chance an Land zu kommen. Aber auch das ist bei der Brandung gar nicht so einfach.

 

 

 

 

2008 Sommerurlaub

Nach unserem Törn nach Stockholm im Jahr 2007 veränderte ich mal wieder sehr viel an unserer l‘espoir III. Als erstes wollte ich erreichen, dass wir bei Flaute nicht mehr auf den Wind warten müssen, also musste ein Motor her der extrem laufruhig und leistungsstark ist. Und Benzin sollte er nur wenig oder gar keinen Verbrauchen. Als Elektrotechniker liebäugelte ich ja schon immer mit Elektromotoren. Die Motoren die es bisher gab waren aber im Bezug auf Leistung und Energieeffizienz nicht gerade befriedigend. Seit ein paar Jahren versprach eine neue Firma aus Starnberg effektive Salzwasserfeste Elektromotoren zu bauen. Dem traute ich nicht ganz. Ich machte also eine Probefahrt bei einem Händler auf dem Kriebsteiner See. Der Torqeedo Cruise war an einem Angelkahn montiert.  Das waren nicht gerade optimale Testbedingungen, da es unrealistisch ist einen Motor der später mal ein voll beladenes Segelboot auf dem Meer antreiben soll an einem kleinen Kunststoffboot zu testen. Trotzdem war ich danach begeistert, der Schub des Motors war enorm. Nur die Wasserdichtigkeit machte mir Sorgen, deshalb rief ich beim Hersteller an und erkundigte mich danach. Mir wurde versichert dass der Motor absolut Salzwasserfest sei und nichts passieren kann. Also entschieden wir uns für den Kauf. Über den Winter rüstete ich das Boot auf Elektroantrieb um. Ich baute 2 Mastervolt AGM Batterien mit je 225 Ah (in Reihenschaltung, Motor benötigt 24 V) ein. Da ich keine weiteren Batterien an Bord haben wollte musste ein Spannungswandler für den Betrieb des herkömmlichen 12V Bordnetzes an Bord. Um die Batterien in einer Nacht wieder voll zu bekommen kam ein Sterling ProDigital Ladegerät mit 24V 25 A an Bord.  Das Laden sollte im Hafen oder im Notfall über meinen Stromerzeuger (Notstromaggregat) erfolgen. Zum Erreichen der 24V Ladespannung war eine 4. Solarzelle  erforderlich. Ich schaltete je 2 in Reihe um eine Spannung von 24 V zu erreichen und diese beiden dann Parallel damit sich der Ladestrom erhöht. Da bei Flaute öfter die Sonne scheint sollte nun genügend Strom zur Verfügung stehen um mit dem Motor in der niedrigsten Stufe zu fahren. Das ist dann nicht gerade schnell, aber immerhin besser als abzutreiben und auf Wind zu warten. Das erst einmal als technischer Einstig in das neue Antriebskonzept. Wenn es auch Probleme gab so viel schon mal vorab, es hat sich bewährt.

Als weitere Neuerung kam ein Standard Horizon Kartenplotter mit C-Map Kartenmaterial für die gesamte Ost und Nordsee. Durch Anschluss von Echolotgeber AIS-Empfänger und Notebook ist dieses Gerät gleichzeitig noch AIS Radar (endlich weiß man in der Nacht wo die Schiffe tatsächlich sind), Echolot und Monitor um z.B. auf einem langen Törn einen Film zu sehen. Die gesamte Beleuchtung rüstete ich auf LED Technik um. Ich wollte nie wieder in der Nacht ohne Licht segeln. In den Jahren zuvor schaltete man das Licht auf Grund des hohen Energieverbrauches nur an, wenn sich ein Boot näherte. Was ist aber wenn dieses Boot auch kein Licht an hatte? Dieses Risiko wollten wir nicht mehr eingehen. Ich tauschte die Genua gegen eine Fock um auf Amwindkursen schneller zu Segeln. Als 3. Segel kam ein Parasail Spinnaker mit Bergeschlauch an Bord. Das Beiboot bekam einen faltbaren Torqeedo Cruise Motor. Wer schon mal ein Schlauchboot gerudert hat weiß dass ein Motor für ein Schlauchboot ein Segen ist. Für den Landgang kauften wir 2 faltbare, leichte Aluminium Elektroroller. Diese sollen uns bei den meist Kilometerlangen Wegen von der Marina in die Stadt nützlich sein.

Das soll es zu den Neuerungen erst einmal gewesen sein.

 

Am 5.7.2008 fuhren wir voll beladen nach Eckernförde. Nach dem Slippen  machten wir an einer Mooring Boje (6€ Gebühr) fest und stellten den Mast. Abends fuhren wir dann mit dem Beiboot bei Windstärke 3 von vorn die 1,6 SM in den Stadthafen von Eckernförde. Der neue Motor mit Akku war echt toll. Das Video dazu ist unter Törns und Videos zu finden.

Am nächsten Morgen 8:00 Uhr ging es dann endlich los. Es war kein Wind, also fuhren wir mit Motor.  Der Autopilot wollte nicht, wir hatten ihn ja ein Jahr nicht benötigt und zu meiner Schande muss ich gestehen dass ich diesen vor dem Urlaub nicht ausprobiert hatte. Die Pinne für den Autopiloten hatte ich natürlich über den Winter komplett geändert und verstärkt. Ein bisschen Fett half um ihn wieder gangbar zu machen. So ging es erholsam und gemütlich aus der Eckernförder Bucht Richtung Norwegen. Wir wollten ja nach Oslo. Nach dem Mittagessen kam das erste Mal ein bisschen Wind. Der große Augenblick war gekommen. Wir setzten das erste Mal das Parasail.

Das setzen mit Hilfe des Bergeschlauches erfolgt Problemlos. Es war nur Wind der Stärke 1-2 aber das Segel stand stabil und zog uns mit rund 3 Knoten unserem Ziel entgegen. Fast wie ein riesiger Drachen. Wenn wir den Parasailer benutzen hatten wir nie Arbeit mit dem Segel, einmal gesetzt stand es bis wir den Kurs änderten oder der Wind weg war. Einfach herrlich.

Da die schönen Momente meist nicht von Dauer sind, mussten wir den Parasail nach 2 Stunden bergen. Ein Gewitter zog auf und wir wollten schnell in einen Hafen. Wir packten alle elektronischen Geräte wegen des Schutzes gegen Überspannung in einen Aluminium Koffer. Ich befestigte den Blitzschutz (4 Drahtseile) an Wanten sowie vor und Achterverstagung, nun nahmen wir Kurs auf dass 8 SM entfernte Damp.

Kurz danach begann es in der Takelage zu knistern und die Solar Ladeanzeige zeigte unrealistische Werte. Wir bekamen es echt mit der Angst zu tun. Es half alles nichts, da mussten wir jetzt durch. Das ist einer der Nachteile beim Segeln. Wenn man erst einmal an Bord ist, kann man nicht mehr aussteigen. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und wir setzten wieder Kurs Richtung Marstal auf der dänischen Insel Aero. Nach 2 Stunden war wieder totale Flaute. Wir ankerten 19:50 Uhr total erschöpft mitten in der Ostsee auf der Position 54° 37,4‘N 10° 9,25’E bei einer Wassertiefe von 22m. Das ist so gar nicht unsere Art, aber wir konnten nicht mehr, man muss sich erst wieder an das Leben an Bord gewöhnen, und die Wochen vor dem Urlaub waren alles andere als erholsam.

Ich ließ den Plotter und AIS an, damit ich gewarnt werde wenn sich ein Schiff nähert, oder wir uns vom Ankerplatz entfernten.

Um 5:00 Uhr früh segelten wir mit südlichem Wind der Stärke 4-5 unter Parasail weiter. Zwischen Aero und Langeland ist es wichtig im Fahrwasser zu bleiben. Überall außerhalb der Fahrrinne leuchtet das Wasser hellblau und es ist sehr flach. Beim Bergen unseres Spinnakers sind wir in das schöne helle Wasser getrieben, man kann hier deutlich den sandigen Grund sehen. Mit aufgeholtem Schwert und Motor fuhren wir zurück ins Fahrwasser. Wir hatten Wind der Stärke 5 von vorn. Auf einmal ging gar nichts mehr, der Motor drehte nicht mehr, und auf dem Display stand ein Fehlercode. Wir hatten in diesem Moment nicht lange Zeit in irgendwelchen Anleitungen nach Fehlercodes zu schauen. Ich sah dann aber gleich was los war. Eine Spinnakerschot hing im Wasser und hatte sich um den Propeller gewickelt. Dadurch wurde die Schutzabschaltung des Motors aktiviert. Ich befreite den Propeller und resetete den Motor. Problem behoben. In der kurzen Zeit waren wir schon wieder weit in das Flach getrieben. Die Motorschutzschaltung ist eine feine Sache, weder die Schot noch der Propeller waren beschädigt. Immerhin lief der Motor mit halber Leistung als die Schot in den Propeller kam.

Zurück im Fahrwasser setzten wir die Segel und fuhren weiter. Marstal ließen wir an Backbord liegen. Im engen Fahrwasser war viel los, es war gerade die Zeit in der die meisten Boote aus dem Hafen ausliefen. Während ich damit beschäftigt war den entgegenkommenden Booten auszuweichen,  kochte Katja das Mittagessen. Als wir hier durch waren, schaltete ich wieder auf den Autopiloten um und setzte das Parasail. Wir segelten mit Rückenwind und schiebendem Strom mit 6 Knoten dahin. Um 17:17 Uhr sichteten wir auf der Position: 55° 10,3’N 10°49,7’E unseren ersten Schweinswal. Er schwamm eine Weile neben uns her und verschwand dann wieder.

19:30 Uhr warfen wir vor Nyborg den Anker. Wir hatten heute 50,7 SM zurück gelegt.

Am nächsten Tag lichteten wir um 8:30n Uhr den Anker und setzen unsere Fahrt durch den Großen Belt fort. Heute wechselten sich kurze Böen bis Stärke 4, Flaute, Sonne und Regen in einem fort ab. Also wechselten auch wir ständig zwischen Motor an und Motor aus sowie Segel hoch und Segel runter. Der Motor machte mir Sorgen, auf dem  Pinnendisplay leuchteten nicht mehr alle Balken. Hatte das Display Wasser bekommen? Hatte die gesamte Platine Wasser bekommen? War der Motor doch nicht so Wasserfest? Waren meine Zweifel berechtigt? Ich hatte ja aus Garantiegründen den Motor bzw. die Pinne nie geöffnet. Ich wusste nur, dass man wenn man sich die  Pinne genau ansieht, ein Stück grüne Platine sieht. Laut Hersteller ist die aber mit Wasserdichtem Schutzlack versiegelt. Langsam kamen mir wieder Zweifel. Aber der Motor lief gut und es konnte ja auch ein Defekt des Displays sein welcher nichts mit Wasser zu tun hat.

19:30 Uhr erreichten wir den Hafen Ballen auf Samso. Wir fuhren in den Hafen, drehten um und fuhren wieder hinaus. Der Hafen war voll. Mit etwas Abstand vom Hafen ankerten wir in der Spiegelglatten Ostsee vor Samso. Wir machten das Schlauchboot klar und fuhren an Land. Dort machten wir einen Strand Spaziergang und sammelten Muscheln. 

Am nächsten Morgen ging es dann gegen 8:00 Uhr weiter. Unser heutiges Tagesziel war das dänische Grenaa. Heute schien die Sonne, die Luft hatte 25° das Wasser 17° und es wehte ein Wind der Stärke 3 aus west, die LED Anzeige des Motors war auch wieder in Ordnung, also  was will man mehr. Wir entspannten uns, ich las ein Buch. Nach dem Mittagessen  drehte der Wind auf Südwest und wir setzten das Parasail. Heute stellten wir fest das Katja die Gemüsehexlerin und ich der Müllzerkleinerer und Presser an Bord bin. Nachmittag nutzten wir das schöne Wetter für die Körperflege. Auf einmal schaute ein Kopf aus dem Wasser und sah uns neugierig an. Er hatte 2 große Augen und einen Schnurrbart. Es war ein Seehund der uns noch lange nachsah. Und das mitten im Kattegat weitab von jedem Land. Eine Seemeile später querten wir das Fahrwasser zweier Schnellfähren die anscheinend zwischen Dänemark und Schweden fuhren. Es waren 2 Motorkatamarane die laut meinem AIS Geschwindigkeiten um die 33 Knoten fuhren. Das durch die Fähren aufgewühlte Wasser schien hier noch immer zu kochen. Nach 20 Uhr legte sich langsam der Wind, wir waren kurz vor Grenaa und dümpelten mit einem Knoten dahin. Auf einmal tauchte ein Schweinswal auf und begleitete  uns über 10 Minuten.

Ich habe auch ein kleines Video dazu gemacht welches unter Törns und Videos zu finden ist.

Da wir heute noch in Grenaa ankommen wollten, packten wir den Spinnaker ein und schalteten den Motor an. Die LED Anzeige zeigte wieder nicht alle Balken. Den Wal störte das leise surren unseres Motors nicht er blieb uns noch eine ganze Weile treu, bevor er zu seinen Gefährten schwamm die in der Ferne zu sehen waren. 22:20 Uhrlegten wir in Grenaa an. Hier gab es Strom, und wir nutzten die Gelegenheit nach 5 Tagen erstmalig unsere Batterien nachzuladen und den Wassertank zu füllen. Dann machten wir noch einen kleinen Landgang. Der Hafen war sehr schön, es gab hier sogar einen Zoo. Wir waren aber nicht mehr lange unterwegs. Wir wollten uns ausruhen, denn am nächsten Tag mussten wir, um unser nächstes Ziel zu erreichen zeitig los.

Wir wollten nach Osterby auf der Insel Laeso die von einer großen Sandbank umgeben ist und ca. 60 SM entfernt ist.

Um 6:00 Uhr ging es mit frisch geladenen Batterien los. Gefrühstückt wurde wie fast immer während der Fahrt.

Um 7:00 Uhr setzten wir das Parasail und das blieb auch bis 17:45 Uhr so. Es schien ein entspannter Tag zu werden. Wir lasen, ich veränderte den Verlauf von ein paar Fallen und Schoten, und erledigte weitere Kleinigkeiten die an Bord so anfallen. Nachmittag schien der Wind immer stärker zu werden, denn die Lenkbewegungen des Autopiloten wurden heftiger. Auch die Wellen die von Achtern heran rollten wurden immer höher. Auf einem Vorwindkurs merkt man nicht so einfach wie stark der Wind tatsächlich ist. Ich ging selbst ans Steuer um den Ruderdruck zu prüfen, der hielt sich aber in Grenzen. Unsere Geschwindigkeit schwankte je nachdem wo im Wellensystem wir uns gerade befanden zwischen 3 und 7 Knoten. Wobei die 7 Knoten immer der Surf die Welle herunter und keinesfalls eine unter normalen Umständen erreichbare Geschwindigkeit war.

Eine Stunde Später verfinsterte sich der Himmel und der Wind schien noch einmal zuzulegen. Wir holten das Parasail herunter und waren erstaunt dass wir ohne jedes Segel nur mit stehendem Mast noch immer 3 Knoten erreichten. Der Handwindmesser zeigte Stärke 5 und die Wellen erreichten locker die 1 m Marke.

Ich setzte die Fock und ging selbst ans Steuer. Laeso war noch immer nicht zu sehen. Das Wasser wurde aber schon heller wir kamen in den Bereich der Sandbank. Um 18:15 Uhr kam eine Welle von Achtern so heftig über, dass sie den Motor komplett überspülte und in die Plicht bis zum Niedergang alles überspülte. Jetzt hatte ich auch noch nasse Füße, denn ich hatte keine Stiefel an. Auch machte ich mir um den Motor sorgen. Aber darum konnte ich mich jetzt nicht kümmern, der Wind wurde immer stärker, das Wasser immer flacher und wir wollten nur noch ankommen. Ich wollte auch nicht noch einen größeren Bogen um die Insel die noch immer nicht zu sehen war schlagen. Ich musste einen Kompromiss aus Umweg, Wassertiefe und Wellenhöhe finden. 21:40 Uhr hatten wir es geschafft der Hafen von Osterby auf der Nordseite der Insel war zum greifen nah. Noch ein paar Kreuzschläge und wir waren da. Der Wind kam aber so stark von vorn das wir mit kreuzen kam vorwärts kamen. Also entschlossen wir uns die letzte halbe Meile mit Motor zu fahren. Das Display ging gar nicht. Mit Fernschaltbox sagte er auch keinen Ton. Gott sei Dank von der Pinne aus funktionierte er und schob uns bei halber Leistung mit 3 Knoten gegen Wind und Welle nach Osterby. Jetzt ging der Motor noch, aber wir waren erst am Anfang unseres Urlaubes. Ich machte mir richtig Sorgen.

Vor dem Hafen Ankerte ein Dragonfly 800 Trimaran. Ich ahnte dass der Hafen voll sein wird. So war es dann auch hier war nichts mehr zu machen. Wir Ankerten in der Nähe des Trimarans. Und gingen schlafen. Wir hatten 63 SM in 15 h zurück gelegt und waren mit diesem Wert bei dem Seegang mehr als zufrieden.

Für den 7. Tag hatten wir nur eine kurze Etappe von rund 35 SM bis Göteburg in Schweden geplant. Also schliefen wir uns aus.

10:30 Uhr fuhren wir weiter. Der Motor ließ sich wieder über die Schaltbox bedienen, aber das Display war komplett ausgefallen. Ich hatte die Vermutung dass es an der Steckverbindung vom Motor an die Pinne und von Fernschaltbox an die Pinne liegt. Diese erfolgt über eine RJ45 Steckverbindung die am Computer oder Telefon zu Hause funktioniert, nicht aber auf dem Wasser. Ich rief beim Hersteller in Starnberg an und schilderte mein Problem, die nette Frau sagte mir dass das Display nichts mit der Funktion des Motors zu tun hat, und ich mir keine Sorgen machen soll, der Motor wird zuverlässig weiter funktionieren. Dass die Bedienung über die Schaltbox bereits ausgefallen war konnte sie nicht verstehen. An der Feuchtigkeit konnte es jedenfalls nicht liegen. Die Motoren wurden ausgiebig getestet und sogar mit Wasser besprüht. Nach dieser Aussage wusste ich dass es besser ist das Telefonat zu beenden, denn das waren mir die Telefonkosten von Dänemark echt nicht wert. Ich erkläre ihr dass ich auf der Ostsee bin und die Wellen so hoch waren das der Motor mehrfach überspült wurde und sie erklärt mir dass sie den Motor zu Testzwecken sogar mal mit Wasser besprüht haben. Mir war klar dass ich mir hier selber helfen muss, und das kann nur in Göteborg erfolgen. Also auf nach Göteborg. Heute war das Wetter wieder besser, wir hatten Wind der Stärke 3-4 aus Süden, Nach ca. 1 Stunde überholte uns der Dragonfly auf dem noch alles ruhig war als wir den Ankerplatz verließen. Ein paar Minuten später war er kaum noch zu sehen. Da konnte man schon neidisch werden. Das war wieder so ein Moment wo in mir der Wunsch nach einem Trimaran noch größer wurde.

Wir querten das Kattegatt ohne weitere Probleme. Man musste nur auf die vielen Schiffe achten die wie an einer Perlenschnur angeordnet unseren Kurs kreuzten. Hierbei war das AIS eine große Hilfe.

19:00 Uhr erreichten wir die Brücke Hisingsleden im Göta Kanal. Ab hier darf man nicht mehr Segeln. Das ist ähnlich wie mit der Langeline in Kopenhagen. Wir bargen das Parasail und fuhren mit Motor weiter. Mit Stufe 2 kamen wir aber nicht vorwärts. Wir hatten 2 Knoten Strömung von vorn. Also mussten wir mit Stufe 4 fahren. (es gibt an der Fernschaltbox 7 Fahrstufen) Um 21:35 erreichten wir den Lilla Bommens Gästehamn mitten in Göteborg ich sah auch schon von weitem den Clas Ohlson Shop, so ein Glück, sogar am Hafen. Im Hafen war aber alles belegt. Wir verließen ihn wieder und quetschten uns an der Kaimauer im Strom zwischen 2 größere deutsche Motoryachten. Das Problem war das beim Anlegen ständig der Motor ausfiel und den Fehlercode E06 E 22 oder E 01 zeigte. Kurioserweise ging das Display wieder, aber der Motor nicht mehr richtig. Ich musste ihn jedesmal reseten dann ging er wieder kurzzeitig. Ich hatte also 3 Probleme beim Anlegen, den kaputten Motor. keinen Platz zum Anlegen, und die Strömung von 2 Knoten. Uns gelang das Anlegemanöver trotzdem, Katja leistete hervorragende Arbeit an den Tampen und die Leute an Land waren uns auch behilflich. Wir hatten das Boot gerade fest gemacht, da kam der Hafenmeister und fragte uns nach länge Breite und Tiefgang, dann meinte er im Hafen ist noch ein Platz frei in den wir passen. Wir sollen wieder in den Hafen fahren, er zeigt uns dann wo. Also ging der trödel wieder von vorn los, Das Ablegen ging Problemlos, der Motor  hatte keine Aussetzer. Wir fuhren in den Hafen, wussten aber nicht wo wir hin sollten. Endlich sahen wir den netten Hafenmeister winken, aber wie sollte ich da hin kommen. Es gab nur eine enge Durchfahrt zwischen 2 Segelbooten hindurch, durch die ich freiwillig nie gefahren wäre. Schon gar nicht unter diesen Umständen. Aber was blieb uns weiter übrig der Hafenmeister winkte ja noch immer. Wir fuhren durch die enge Passage, wir hatten weder an Steuerbord noch an Backbord genügend Platz für die Fender, so eng war es. Als ich durch war galt es sofort zu stoppen da wir 90° nach Backbord um den Steg herum mussten. Das Glück war uns gnädig, der Motor setzte erst aus als wir das Boot gestoppt hatten. Ich hatte also genügend Zeit den Motor erneut zu reseten. Jetzt mussten wir nur noch in die Enge Box passen, wir mussten Sie auch noch schräg anfahren, da die Odin zu lang war, ich musste also auch Achtern aufpassen um da nicht anzustoßen. Das Anlegemanöver ist schwer mit Worten wieder zu geben, es hat jedenfalls funktioniert, und ich muss sagen, ich war danach Schweißgebadet. Das war das Anlegemanöver meines Lebens. Und das auch noch mit einem Motor der immer wieder mal aussetzte.

Nach den aufregenden Anlegemanövern gingen wir ganz taumelig endlich mal wieder an Land. Der Hafenmeister wollte heute kein Geld er hatte Feierabend, wir sollten Morgen wieder kommen. Hier war es herrlich warm, windstill, vom großen Segelschiff welches Restaurant, Hotel und noch einiges mehr war, erklang Musik. Es war ein richtig schöner milder Sommerabend. Wir fühlten uns fast wie in einem südlichen Land. Wir gingen noch ein bisschen spazieren, als erstes Checkte ich natürlich die Öffnungszeiten des Claas Ohlson Shops. Ich brauchte ja genügend Ersatzteile für meinen Motor.

Das Nachtleben von Göteborg war beeindruckend, obwohl hier eigentlich auch nicht mehr los war als Nachts in Berlin. Wir fanden es trotzdem beeindruckend, nach den paar Tagen Ruhe auf See war es überwältigend auf einmal mit dem Boot mitten in der Stadt zu liegen.

Am nächsten Morgen ging ich zu Clas Ohlson und kaufte eine Feile, ein Patchkabel mit RJ 45 Steckern und 2 RJ 45 Verbinder. Ich wollte den Motor wieder zum Laufen bringen, und auch so verbessern, dass er keine Probleme mehr machen kann. Wir schafften die Einkäufe zum Boot zurück und begannen mit dem eigentlichen Stadtbummel. Mit dem Motor wollte ich mich noch nicht befassen, ich wollte noch eine Nacht darüber schlafen und überlegen wie ich es anfangen kann dass er keine Probleme mehr macht.

Göteborg hat viel zu bieten, wir machten einen Einkaufsbummel und  gingen unter anderem ins Universeum, das ist eine Art Museum mit mini Zoo, Aquarien, Haifischtunnel, Reptilien, Vögeln und einem kompletten Tropenteil in dem man ohne Umzäunung viele Tropische Vögel und auch kleine Affen beobachten kann. Der zweite Teil der Ausstellung umfasst einen Themenbereich zum selbst Experimentieren und ausprobieren. Hier werden viele zum Teil verblüffende physikalische und technische Zusammenhänge erklärt bzw. veranschaulicht. Wegen der häufigen Regenschauer verzichteten wir heute auf unsere Elektroroller.  In einem Internetcafe versuchten wir einen Händler für Torqeedo Motoren in Schweden zu finden. Erfolglos.

Am Abend wollten wir noch einen Rundumblick auf Göteborg machen. Das rote Gebäude (Göteborg Utkiken) welches direkt am Hafen Lisebergs Gästhamn steht, hatte aber bereits geschlossen. Am zweiten Tag in Göteborg wollte ich mich um den Motor kümmern. Dies stellte sich als schwieriger heraus als ich dachte.  Beim trennen der Steckverbindung (RJ45) zwischen Motor und Pinne sowie zwischen Pinne und Fernschaltbox flogen gleich die einzelnen Kontakte hinterher, die kompletten Kontakte waren entweder total grün an oder schon ganz weggefressen. Nichts mit Salzwasserfestigkeit. Da half auch kein Einsprühen mit Kontaktspray wie in der Bedienungsanleitung empfohlen wird. Solche Steckverbindungen haben auch an einem Bootsmotor nichts verloren. Die kann man in der trockenen Stube am PC benutzen. Ich musste also die Buchsen wechseln, dazu musste ich aber das Gehäuse öffnen. Hierzu fehlte mir wieder Werkzeug. Also auf zu Clas Ohlson und einen Bit Satz gekauft in dem sich Torx Bits befinden. Nun konnte es endlich los gehen, ich öffnete das Gehäuse der Pinnenplatine und sah dass so etwas auf dem Wasser nicht auf Dauer funktionieren kann. Alle Achtung vor der Technik des Motors, aber auf dem Wasser war bestimmt noch keiner der Leute die diesen Motor entwickelt haben. Die gesamte Elektronik ist ein bisschen vor Spritzwasser geschützt, das war es aber dann auch. Ich begann damit die RJ 45 Buchsen auf der Platine auszulöten. Da es bei Clas Ohlson keine 6-poligen Einbaubuchsen gab, musste ich improvisieren. Ich schnitt den RJ 45 Verbinder auseinander so dass ich 2 Buchsen erhielt. Mit Hilfe von zwölf kurzen Kabeln (bloß gut ich hatte das Patchkabel gekauft) lötete ich die 2 Buchsen an die Platine. Die ganze Aktion hat über 2 Stunden gedauert. Jetzt kam der Spannende Augenblick, ich baute die Platine wieder  in das Kunststoffgehäuse und ließ die Kabel mit den neuen Buchsen heraus hängen. So jetzt noch Anschließen, Stromversorgung einschalten und das Display leuchtete. Funktionstest, der Motor drehte sich, uns viel ein Stein vom Herzen. Die Funktion war wieder hergestellt, aber so wären die neuen Buchsen nach spätestens einer Woche wieder vom Salzwasser zerfressen gewesen. Wir packten die gesamte Elektronik in 6 Plastiktüten ein, die wir jede einzeln verklebten. Nun war die Weiterfahrt gesichert.

Den Rest des Tages verbrachten wir noch an Land. Unter anderem gingen wir auch unseren Ausblick auf Göteborg nachholen.

Hier unten sieht man unseren Hafen den wir punkt 16:00 Uhr verließen. Der Motor lief hervorragend, die Batterien und Wassertanks waren voll, es hieß auf nach Oslo.

Wir wollten auf Grund des starken Windes 7-8, der laut Wetter-online für die nächsten Tage angesagt war versuchen so weit wie möglich durch die Schären zu fahren. Das war aber nicht immer möglich. Dazu aber später. Heute wollten wir wenigstens noch ein Stückchen kommen um uns einen ruhigen Ankerplatz zu suchen. Der Wind blies schon heute mit Stärke 6 von vorn. Wir mussten um wenigstens 3 Knoten Fahrt zu machen mit Stufe 4 Fahren. Und das über eine Distanz von rund 10 SM. Somit hatten wir natürlich gleich am ersten Abend keine vollen Batterien mehr. Als wir endlich in die Schären Richtung Norden abbogen wollte ich den Autopiloten in Betrieb nehmen. Aber der gab nur einen ununterbrochenen Warnton von sich. Auch das noch, der Motor war wieder in Ordnung, aber der Autopilot kaputt. Ich musste also mindestens bis Oslo und wenn ich Pech hatte auch bis zurück nach Eckernförde selber Steuern. Ich war kurz davor aufzugeben. Ich bin mir nicht mal sicher was schlimmer war, ohne Autopiloten, oder ohne Motor zu fahren. Beides war einfach eine Belastung. Aber durch die Schären hätte ich sowieso viel selbst Steuern müssen, und in Oslo würde sich doch bestimmt eine Lösung finden lassen. Zur Not hätte ich eben einen neuen Kaufen müssen. Nach 16 SM ankerten wir in den Schären vor einer kleinen Bucht in der 3 Fischerhäuschen standen.

Am nächsten Tag, es war unser 10. Tag, fuhren wir um 8:30 Uhr weiter. Der Wind war sehr stark, aber dadurch dass wir durch die Schären segelten  hatten wir kaum Seegang. Wir segelten heute und die kommenden Tage nur mit der Fock, und selbst damit waren wir bei dem Sturm übertakelt. In den Schären geht es ja nie lange gerade aus. Man schlängelt sich sozusagen durch die Felsen. Demzufolge hat man nie lange den Wind aus der gleichen Richtung. Wir genossen es wenn wir den Wind von Backbord hatten, aber wir hatten ihn häufiger von vorn. An ein Kreuzen war an den meisten Stellen aus Platzgründen nicht zu denken. Somit waren wir also ausschließlich auf den Motor angewiesen.

Das erste Mal benötigten wir ihn beim durchfahren des Albrektsundskanals. Der Wind pfiff hier direkt von vorn durch die Felsen, dass wir manche Etappen sogar mit Vollgas fahren mussten um noch halbwegs vorwärts zu kommen. Das wiederum zehrte enorm an unseren Batterien. Der Motor zieht unter Vollast 80 A aus den Batterien. Da sind rein rechnerisch die Batterien nach 2,5 Stunden Restlos leer. Wenn man den Peukert Effekt mit einbezieht sind sie bereits nach 1,5 Stunden leer. Nach dem Kanal konnten wir erst einmal aufatmen, ab Marstrand, einem herrlichen Schwedischen Urlaubsort, (Schade dass wir keine Zeit für einen Landgang hatten)  in dem es vor Booten nur so wimmelte ging es wieder nach Norden. Wir konnten also wieder segeln.

Wir haben in diesem Urlaub fest gestellt, dass in den Schären zwischen 11:00 Uhr und 13:00 Uhr der meiste Bootsverkehr ist. Zu diesen Zeiten fährt hier Boot an Boot, fast wie auf der Autobahn.

Nach Marstrand ging es ein Stückchen übers offene Meer, die Wellen die wir von der Seite her abbekamen waren einfach Gigantisch. Wir waren froh als wir diese Etappe hinter uns hatten. Nach 17:00 Uhr mussten wir wieder eine kleine Etappe mit Motor gegenan fahren. Es ging wieder in Richtung offenes Meer, und die Wellen rollten uns entgegen. Wir fuhren wieder mit fast voller Leistung um gegen die riesigen Wellen und den 8 Beaufort starken Wind anzukommen. Von hinten überholte uns eine ich schätze 15 m lange Motoryacht. Diese hielt wegen des geringen Platzes kaum Abstand zu uns ein, und erzeugte aufgrund der starken Beschleunigung noch eine große Heckwelle. Die Welle überspülte unsere Badeplattform samt Außenborder, und das war es dann. Der Motor ging aus und zeigte den Fehlercode E 03 auf dem Display. Wir wurden sofort vom Wind erfasst und zurück in die Bucht getrieben. Was nun, jetzt musste alles schnell gehen. Den Motor bekam ich nicht wieder in Gang, zum Segeln war kein Raum und der 2. Außenborder lag zusammengelegt in der Backskiste. Es fehlte einfach die Zeit und wir trieben extrem schnell Richtung Land. Ich sah dass die Bucht in die wir trieben eine kleine Krümmung machte, wenn wir in die rein kämen wären wir etwas vor dem Starken Wind geschützt und könnten versuchen das Boot mit dem Anker zum stehen zu bekommen. Ich setzte blitzschnell die Fock, Katja wusste nicht was los ist, denn als ich das Segel heraus holte wurden wir ja noch schneller und die Gefahr der Strandung erhöhte sich. Hoffentlich war das Wasser hier tief genug für uns. Wir schafften es, wir folgten der Krümmung und der Wind verringerte sich. Somit auch unsere Geschwindigkeit. Ich sagte Katja sie solle die Fock einrollen und Schwert, Ruderblätter und Motor aufholen, während ich zum Bug eilte und den Anker setzte. Der Anker rutschte eine Weile über den Grund bevor er griff, als ich den Ruck merkte gab ich Tau nach und versuchte so durch langsames fieren das Boot zu bremsen. Das gelang mir auch. Wir standen. Viel Platz wäre nicht mehr gewesen. In der Bucht war ein Steg für Schwedische Fischerboote. 10m vor dem Steg kamen wir zum stehen. Wir überlegten ob wir uns mit Hilfe des 2. Ankers dorthin verholen sollten, aber wir ließen es. Nicht dass abends die Fischer zurück kommen und ihr Steg ist belegt. Wir konnten ja jederzeit mit dem Beiboot an Land. Stattdessen machte ich uns noch mit einem zweiten Seil an der Muring fest die zufällig kurz vor unserm Bug war. Die Wassertiefe betrug hier unter einen Meter, Katja hatte in der Eile nur das Schwert hoch bekommen, Motor und auch beide Ruder waren noch unten und hingen fest im Sand. Ich holte alles hoch und kontrollierte ob etwas beschädigt wurde. Die Ruder schienen in Ordnung zu sein, aber von der Motorfinne war eine Ecke abgebrochen. Egal, Hauptsache wir waren nicht gestrandet. So was nun, warum ging der Motor nicht mehr. Der Fehler trat offensichtlich durch die Welle ein, aber wie konnte dass sein, ich hatte doch die Elektronik in Tüten eingepackt. Nach einigem Zögern griff ich zum Telefon und rief mal wieder in Starnberg beim technischen Service an. Ich hatte einen sehr netten Herrn dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte am Telefon. Dieser sagte mir dass der Fehler E03 auf eine Unterspannung am Motor hin deutete, da die Batterien nicht so leer waren,  musste es also an der Stromversorgung innerhalb des Motors liegen. Ich erzählte von den Wellen und das ich die Pinnensteuerung bereits durch Tüten geschützt habe. Er sagte mir dass es noch eine weitere Platine gibt. Auf dieser befinden sich die Relais die die Betriebsspannung zum Motor zuschalten. Das Musste es sein, ich bekam noch das Angebot dass er mir eine neue Platine irgendwo nach Schweden schicken würde, aber das half uns nicht weiter. Wir konnten hier auf keinen Fall länger als eine Nacht bleiben, und ich glaube nicht dass es hier irgendwo eine Möglichkeit gegeben hätte ein Paket zu erhalten. Trotzdem hatte mir der Anruf sehr viel gebracht, jetzt wusste ich wo der Fehler zu suchen ist. Ich öffnete den hinteren Deckel des Steuerkopfes, und siehe da hier war eine kleine Platine mit 2 Relais oben. Von oben war das Gehäuse verschlossen aber von unten gibt es eine ca. 3x1 cm große Öffnung durch die Wasser eindringen muss. Ich baute die Platine aus und trocknete sie. Dann baute ich Sie wieder ein und der Motor lief. Uns viel in diesem Urlaub ein zweites Mal ein Stein vom Herzen. Ich schützte auch diese Platine mit Hilfe von Plastiktüten und Sikaflex vor dem Wasser. Ab diesem Moment war ich mir Sicher, dass der Motor in diesem Urlaub keine Probleme mehr machen würde. Und so war es auch, wir hatten nie mehr Probleme. Man kann nur nicht verstehen wie man so etwas bauen kann, es ist keine Kunst ein paar Leiterplatten in ein Wasserdichtes Gehäuse zu bauen, bei Verbrennungsmotoren geht das ja auch. Ich nahm mir vor nach dem Urlaub die beiden Platinen zuverlässig gegen das Eindringen von Wasser zu schützen. Also auf dem Gebiet muss man in Starnberg noch dazu lernen. Deshalb schrieb ich auch nach dem Urlaub an den Vorstand der Firma. Aber dazu an anderer Stelle.

Wir genossen den Abend in der relativ ruhigen Ankerbucht, der Wind zerrte zwar öfter am Anker, aber er kam hier nur abgeschwächt an. Wir sahen uns gerade eine Film an als es draußen Blitzte, was war jetzt schon wieder, Gewitterte es etwa? Auf dem Steg standen 2 Jungen mit einem Fotoapparat. Bloß gut es war nichts Ernstes. Aber was war dass? Um uns herum ragte überall Sand aus dem Wasser, wir hätten jetzt unseren Liegeplatz nicht verlassen können. Anscheinend war der Tidenhub hier oben schon höher als bei uns in der Ostsee. Würden wir 5 Meter weiter vorn, oder weiter an Backbord liegen, dann hätten wir jetzt auf dem Trockenen gesessen. Aus diesem Grund war sicher die Muring Boje genau hier. Für heute reichte es uns, wir gingen schlafen.

Neuer Tag neues Glück? Es konnte ja nur besser werden, wurde es auch aber nur weil der Motor jetzt 100% in Ordnung war.

Als wir los fuhren war wider Flut der Wasserstand betrug sogar über einen Meter, wir konnten den Ankerplatz also ohne Probleme verlassen. Als wir um die berüchtigte Krümmung kamen blies der Wind uns erneut mit bis zu 8 Windstärken entgegen. So nach dem Motto Willkommen zurück. Wir kämpften uns aus der Bucht hinaus, hätten wir doch die Nacht genutzt und den Stromerzeuger zum Laden der Batterien benutzt. Das hatten wir versäumt. Wir hatten ihn ja auch nie gebraucht, wie sollte man dann auch daran denken. Als wir aus der Bucht waren wollte ich um Zeit zu Sparen über das offene Meer weiter. Katja war strickt dagegen, sie hatte Angst vor den Wellen. Nach einer Stunde gab ich auf, Wir mussten hart am Wind segeln, und bei dieser Windstärke und diesen Wellen haben wir in der Stunde vielleicht eine halbe Seemeile gut gemacht. Es half alles nichts, wir mussten zurück in die Schären. Wenigstens war Katja wieder glücklich als ich wendete.

Wir suchten uns zusammen mit vielen anderen Booten den Weg durch die Schären, es macht ja riesen Spaß durch die Schären zu segeln und ist auch sehr Anspruchsvoll, ja man sieht sogar etwas von der Gegend, aber durch dieses ewige durch die Felsen geschlängele, und die vielen Umwege die man fährt, kommt man wenn man am Tag 40 SM fährt vielleicht 25 SM vorwärts. Und ich wollte doch noch Oslo kommen, jetzt nach all den Strapazen kurz vor dem Ziel wegen mangelnder Zeit aufgeben, das wollte ich auf keinen Fall. Wenn doch bloß der Wind ein paar grad westlicher gekommen wäre, dann wären wir übers Skagerrak in 20 Stunden im Oslofjord gewesen. Aber man konnte es nicht ändern, wir mussten hier durch. 13:30 Uhr mussten wir wieder mit Motor gegenan, das wollte ich meinen müden Batterien nicht mehr zumuten, ich holte also zum ersten mal den Stromerzeuger aus der Backskiste. Jetzt hatten wir (endlich) wieder das Gefühl einen Verbrennungsmotor zu haben. Es war nicht schön mit dem Krach zu fahren. Man konnte sich kaum vorstellen, dass es vor einem Jahr für uns völlig normal war einen lauten Motor zu haben. Wie schnell man sich doch an gutes gewöhnen kann. Wir fuhren durch den Sotekanal. Dort ist es wegen des Platzmangels verboten zu Segeln. Im Kanal gibt es eine Drehbrücke,  die rechtzeitig durch ein Schild angekündigt wird. Uns kamen viele Segelboote entgegen, als ein deutsches kam welches ungefähr unsere Größe hatte, fragte ich ob er durch die geschlossene Brücke gepasst hat. Er hob den Daumen. Gut wir waren froh er hatte ja einen etwas längeren Mast gehabt, da sollten wir erst recht durch passen. Als wir die Brücke sahen war sie gerade offen, gut dachten wir und fuhren etwas schneller damit wir auch noch durch fahren konnten. Kurz vor uns (höchstens 20m) ging die Brücke zu. Ich riss sofort den Hebel nach hinten um uns zu stoppen, dann tasteten wir uns langsam heran um zu probieren ob wir durch die geschlossene Brücke passen. Es hätte aber nicht gepasst, also wollten wir an Steuerbord anlegen. Das Leitwerk  war hier schön mit Holz verkleidet, es konnte also nicht viel passieren, dachten wir. Unser Boot näherte sich ganz langsam mit der Steuerbordseite  dem Leitwerk. Ich schaltete in Ruhe den Motor ab und ging, um uns fest zu binden zur Steuerbordseite. Es wäre genügend Zeit gewesen einen Fender dazwischen zu legen, aber das schien mir nicht erforderlich, wir haben schon oft nur mit der Scheuerleiste des Bootes an einer Holzwand gelegen. Wenn keine Wellen sind und es nur kurzzeitig ist, sehe ich hier kein Problem. Es kam ein Windstoß und wir krachten voll gegen das Holz. Das war das Ende meiner schönen Scheuerleiste, wieder eine Aufgabe mehr auf dem Aufgabenzettel für zu Hause. Wie mich das ärgerte. Das hätte wirklich nicht sein müssen. Ich brauchte das Boot nicht einmal fest machen. Ich hatte noch nicht einmal richtig verarbeitet dass die Scheuerleiste hinten zersplittert war, ging die Brücke wieder auf. Der Tag war für mich gelaufen. Wir fuhren weiter. Immer im Wechsel zwischen Motor und Segeln. Das Aggregat ließen wir bis 18:00 Uhr Tuckern. 18:50 kamen wir an einer wunderschönen Ankerbucht vorbei. Dort lagen bereits mehrere Boote vor Anker. Wir suchten uns einen schönen freien Platz aus und warfen den Anker, aber er hielt einfach nicht. Als ich ihn wider hoch holte hing er komplett voll Pflanzen. Auch das noch, bei solchem Ankergrund habe ich meinen 12 kg Plattenanker noch nie zum halten bekommen. Wir unternahmen noch einen zweiten Versuch an anderer Stelle, aber auch das war erfolglos. Wir fuhren weiter. Es ist kein  Vergnügen den Anker mit Kettenvorlauf und Bleileine immer wieder erfolglos aus dem Wasser zu ziehen. Wir suchten noch über 2 Stunden nach einem geeigneten Ankerplatz.  Als wir den endlich gefunden hatten war es schon fast dunkel. Ich erledigte noch ein paar Kleinigkeiten an Bord und warf das Aggregat an. Schließlich wollten wir morgen wieder Strom haben. Katja kochte in der Zwischenzeit essen, Tagsüber sind wir ja wegen des Sturmes der noch immer mit Windstärken zwischen 7 und 8 Beaufort tobte, kaum zum Essen gekommen. Es gab Kartoffelbrei mit gebratener Zucchini. Nach dem Tag ein Festessen. Es war nach 23:00 Uhr als wir den Abwasch erledigten.  Draußen hämmerte noch immer das Aggregat.

Um 8:00 Früh ging es wieder weiter, heute wollten wir unbedingt in den Oslofjord kommen. Der Wind war noch immer unverändert. Es ging weiter wie an den Tagen zuvor, ein Stück in die Schären hinein Segeln, und an der nächsten Ecke wieder heraus Motoren. Immer versuchend nicht ganz heraus auf das tobende Skagerrak zu müssen. Ich hatte den Stromerzeuger noch immer in der Plicht stehen, damit es im Notfall Einsatzbereit ist. Das war ein Fehler denn als wir eine längere Etappe außerhalb der Schären segelten stieg eine riesen Welle von Backbord her ein und überspülte uns komplett. Die Wellen hatten so im Schnitt eine Höhe von  1-2 m, diese aber war riesig. Ich sah diese Welle auf einmal auf uns zu kommen und rief Katja zu dass sie sich festhalten soll. Ich wollte das Boot noch mit dem Bug in die Welle drehen, aber es war schon zu spät, es ging ein Ruck durchs Boot als krachten wir gegen eine Wand. Ich selbst hielt mich am Steuerrad fest und stützte mich mit den Beinen ab. Ich konnte mich gerade so halten, viel hätte nicht gefehlt wär ich vom Boot gespült wurden. Katja saß geschützt hinter der  Sprayhood, und hat nicht ganz so viel abbekommen. Ich war triefend nass, meine Stiefel waren komplett voll Wasser, selbst in den Handschuhen war das Wasser. Noch schlimmer war das der Stromerzeuger auch komplett unter Wasser war. Ich hatte aber keine Zeit mich umzuziehen oder um das Aggregat zu kümmern. Ich saß am Ruder und konnte auf keine Fall los lassen, die Wellen wurden immer höher und ich musste mich auf jede einzelne Welle konzentrieren. So ein Manövrierfehler durfte nicht wieder passieren. Die Welle kam eben zu überraschend. Als wir wieder in die Schären fuhren und es wieder ruhig wurde probierte ich als erstes den Motor aus. Er funktionierte Tadellos. Also hatten sich doch meine Plastiktüten gelohnt. Dann versuchte ich den Stromerzeuger zu starten – Fehlanzeige das gute Stück sagte keine Ton. Katja hat übrigens nach der Welle auch nichts mehr gesagt. Erst jetzt als es wieder ruhig wurde meldete sie sich. Ich bat sie das Steuer zu übernehmen, ich wollte mich endlich umziehen. Ich war durch die Nässe schon richtig unterkühlt. Für heute reichte es uns eigentlich schon wieder, und dabei war es gerade mal Mittagszeit. Wir nutzten die Passage durch die Schären um etwas zu Essen. Auf der Seekarte entdeckte ich einen Weg wie wir die Schären verlassen können und trotzdem ein bisschen geschützt bis in den Oslofjord kommen könnten. Ich sagte Katja nichts von meinem Plan. Sie hätte sich nur unnötige Sorgen gemacht. Ich packte aber jetzt das Aggregat in die Backskiste, so etwas sollte nicht wieder passieren. Sie merkte aber sehr bald was los war. Die Felsen die uns vor den Wellen von Backbord schützten wurden immer kleiner und weniger. Ich hielt auf die Insel Koster zu um dann im Wellenschutz der Insel dem Kosterfjord fast bis zum Oslofjord zu kommen. Katja wurde unruhig, es beruhigte sie aber dass ich ihr versprach auf die Wellen aufzupassen und hohe Wellen mit dem Bug zu nehmen. Hinter dem letzten großen Felsen vor dem Skagerrak fuhr ein Mann mit einem Motorboot, er konnte deutsch oder war gar ein deutscher. Er rief zu uns herüber: da hinten sind riesen Wellen seid vorsichtig. Jetzt war es natürlich vorbei mit Katjas Ruhe, sie bekam Angst fragte mich ob es keinen anderen Weg gibt. Es gab zwar einen aber ich hatte es satt mich ständig durch die Schären zu kämpfen. Ich beruhigte sie indem ich ihr sagte dass die Wellen bestimmt nicht so hoch sind. Der Mann hatte ja nur ein kleines Motorboot und musste die Wellen ja viel höher empfinden als wir.

Ich hatte recht, so schlimm war es nicht. Wir waren bald im Lee der Insel Koster. Als wir wieder ins offene Meer kamen waren die Wellen höchstens noch einen Meter hoch. Der Oslofjord war zum greifen nah. Nur noch 10 SM. Gegen 17:00 Uhr kamen wir in den Oslofjord an und was uns hier erwartete war der absolute Alptraum, so etwas hatten wir noch nie erlebt. Die Wellen waren hier so hoch, dass wir im Wellental um uns herum nur Wasser sahen. Ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich schätzte die Wellen auf 4 m. Es war schrecklich. Selbst ich bekam es mit der Angst zu tun. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Das nächste Problem war das nahe Land, wir mussten uns durch die Wellen vom Land frei kreuzen.  Überall ragten Klippen aus dem Wasser an denen sich die Wellen brachen. Katja war regelrecht verzweifelt, sie schrie: die Wellen sind so hoch. Ich musste jetzt ruhig bleiben und sie beruhigen, wenn ich jetzt auch noch Panisch geworden wäre, dann wäre es um uns geschehen. Ich sagte zu ihr sie soll nicht hin sehen und einfach wie immer das Vorsegel bedienen. Sie saß aber einfach da klammerte sich fest und machte nichts. Wir mussten aber unbedingt die Wende zu Ende fahren, wir durften die nächste Welle auf keinen Fall seitlich abbekommen. Da es im ruhigen nichts gebracht hat schrie ich sie an, und ich weiß noch heute was ich schrie: jetzt nimm das Segel rüber und kurble, kurble um Dein Leben! Das half Katja kurbelte wie eine wilde, so schnell hat sie die Winsch noch nie bedient, sie schrie dabei vor Angst. Sie tat mir dabei so leid, aber es nützte nichts, wie ich schon einmal sagte, man kann nicht einfach aussteigen, wenn man an Bord eines Bootes ist muss man durch. Wir bekamen endlich Fahrt ins Schiff und fuhren die Wellen diagonal hoch, auf dem Wellenkamm kippten wir leicht nach Backbord und dann rasten wir die Welle wieder hinunter, so schlimm war es gar nicht, wir hatten eben niemals zuvor solche Wellen erlebt, als wir wieder genügend Abstand zum Land hatten begann es mir sogar Spaß zu machen. Als ich merkte dass ich das Boot unter Kontrolle habe, musste ich mich irgendwie um Katja kümmern, sie saß mit Tränen in den Augen da und klammerte sich am Boot fest. Ich lobte sie, weil sie vorhin so toll gekurbelt hatte, und beruhigte sie das alles in Ordnung ist und uns nicht passieren kann. Das half nicht wirklich. Nach einer Weile begann ich dann laut zu singen während wir die Wellen hoch fuhren und wieder hinunter sausten, jetzt fing auch sie wieder an zu lachen. Na bitte, wir hatten die schwierige Situation gemeistert. Je weiter wir in den Oslofjord kamen, desto ruhiger wurde die See. Nach 2 Stunden waren die Wellen höchstens noch einen halben Meter hoch. Wir suchten einen Ankerplatz. Aber an der Ostseite des Fjordes war es zu windig zum Ankern. Der Wind kam ja aus Westen. Also querten wir den Fjord und ankerten 22:45 Uhr vor dem Ort Surka in einer wunderschönen windgeschützten Bucht mit Glockenturm. Das Windgeschützte hätte man sich sparen können, denn der Wind hatte sich vor einer Stunde das erste Mal seit 4 Tagen gelegt. Wir waren überglücklich, wir waren in Norwegen 30 SM von Oslo entfernt. Katja beobachtete mit dem Fernglas das Kreuzfahrtschiff Mona Lisa welches durch den Fjord fuhr, und ich beschäftigte mich mit dem Aggregat, es sollte ja unbedingt wieder laufen seitdem es heute Wasser bekommen hatte sagte es ja keinen Ton mehr. Nachdem ich die Zündanlage mit Wasserverdrängendem Öl eingesprüht hatte lief es aber wieder. Geschafft, wir gingen schlafen. Obwohl es noch hell war. Das lag aber nicht an der Uhrzeit, sondern daran das wir schon relativ weit im Norden waren.

Am nächsten Morgen frühstückten wir in aller Ruhe, auf einmal krachte und rumorte etwas am Boot, ich dachte was denn jetzt schon wieder und sah hinaus. Es war eine dicke Möwe, die sich zwischen Wanten und Bordwand verklemmt hatte und nicht gleich wieder frei kam. Ich wollte raus ihr helfen, aber da war sie schon weg. Das war schon wieder ein Schreck am Morgen, wenn etwas komische Geräusche macht, denkt man immer gleich an das schlimmste.

Um 9:00 Uhr fuhren wir mit Motor los, heute war absolute Flaute, der Fjord spiegelglatt und die Sonne schien. Herrlich, viel besser als der Sturm der letzten Tage. Wir hingen unsere Nassen Sachen zum Trocknen auf. Vor allem sollten meine Stiefel wieder trocknen.

Katja steuerte und ich verspürte Lust mich mit dem defekten Autopiloten zu beschäftigen, ich schraubte ihn auf, konnte aber außer Feuchtigkeit nichts erkennen. Ich ließ ihn austrocknen, fettete die Mechanik und baute ihn wieder zusammen. Ich verklebte ihn sogar mit Sika, denn es konnte ja nicht sein, dass er von innen so nass war. Funktionstest: er funktionierte wieder. Das war herrlich. Ab Mittag kam wieder etwas Wind auf und wir segelten gemütlich durch den Fjord gen Oslo. Nachmittag braute sich am Himmel ein Gewitter zusammen, welches sich 16:45 Uhr entlud. Die Temperatur sank schlagartig auf 13°C ab, es goss in Strömen und Gewitterte. Der Wind erreichte Böen von 6 Beaufort, ich hatte keine Lust wegen der paar Böen zu reffen, ich segelte den Wind so aus wie es ging, notfalls öffnete ich die Segel etwas. Nach einer halben Stunde war alles vorbei. Mit dem Gewitter verschwand auch der Wind. Wir fuhren mit Motor weiter bis Oslo. Um nicht  wieder das Aggregat starten zu müssen fuhren wir langsam, so hielten die schon fast leeren Batterien bis Oslo, der Nachteil war, wir kamen erst 22:00 Uhr dort an. Wir legten in der Marina Aker Brygge direkt im Zentrum Oslos an. Im Hintergrund sah man schon das berühmte Osloer Rathaus. Die Skipiste Oslos mit der Sprungschanze hatten wir auch schon auf dem Berg gesehen. Der Hafenmeister wies uns einen anderen Platz zu. Wir mussten also noch einmal umsetzen, viele Yachties saßen auf ihren Booten und beobachteten wie wir geräuschlos im Hafenbecken manövrierten.  Nach dem fest machen war mein erster Weg zur Steckdose, endlich die leeren Batterien nachladen. Das war schon eine feine Sache. Im Boot hing ich auch gleich unsere Elektroroller und den Akku des Beiboot-Motors an das Ladegerät. Bevor wir schlafen gingen machten wir noch einen kurzen Landgang. Direkt am Hafen war richtig was los, hier tobte das Nachtleben. Uns war aber nicht danach zu Mute. Wir waren wider richtig taumelig auf den Beinen. Als wir zum Boot zurück kamen bemerkte ich dass unsere GSM Alarmanlage defekt war. Die Alarmanlage an sich funktionierte noch, aber das umgebaute 6 Jahre alte Motorola Handy hatte aufgegeben. Begeistert war ich nicht gerade, aber es war auch nicht zu ändern. Ich schrieb es auf die Liste. So wichtig, dass wir uns damit den Aufenthalt in Oslo vermiesen ließen war es nicht. Als kurze Zwischenbilanz, wir waren 13 Tage unterwegs, davon waren wir 2 Tage in Göteborg. 440 SM sind wir bis jetzt gefahren.

Nach dem Ausschlafen, Frühstückten wir in Ruhe. Danach wollte ich den Autopiloten in die Backskiste packen und bemerkte, dass dieser schon wieder nicht mehr funktionierte, er gab nur einen langen Piepton von sich. Also hatten wir doch noch eine Aufgabe in Oslo.

Dann klappte ich unsere Roller auf dem Steg auseinander und ab ging es. Die Sonne schien, wir waren am Ziel, was wollte man mehr.

Wir fuhren zum Nobelpreishaus, zum Rathaus und auf die Festung von der aus wir einen schönen Blick auf Aker Brygge hatten.

                

Ich weiß gar nicht mehr wo wir überall waren, es waren so viele Eindrücke, auf alle Fälle waren wir auf dem Bahnhof im Internetcafe, sind mehrmals mit unseren Rollern durch die Einkaufsmeile, waren auch außerhalb des Zentrums unterwegs, sind durch den Wiegelandpark ein Park mit unzähligen Skulpturen und Statuen. Unter anderem kann man dort den Trotzkopf, eine der berühmtesten  Statuen von Gustav Wiegeland sehen. Danach sind wir wieder zurück in die Einkaufsstraße. Dort blieben wir bei den Straßenmusikern hängen. 2 junge Damen sangen Lieder wie „California Dreamin“ mit einer Freude und Begeisterung das man wie gebannt war. Wir fanden dass die beiden viele Musiker oder auch möchtegern Musiker in den Schatten stellten. An der Begeisterung des Publikums merkte man auch das sie nicht nur bei uns so gut ankamen. Wir waren den ganzen Tag in Oslo unterwegs die Akkus der Roller hielten also bei sparsamer Fahrweise wirklich den ganzen Tag, so hatten wir dass noch nie ausprobiert. Wir hatten die Roller sonst immer nur für kurze Fahrten nach Feierabend oder am Schwielochsee  um zum Tennisplatz zu kommen benutzt. Wir haben an diesem Tag mehr gesehen als Jahre  zuvor wo wir zu Fuß unterwegs waren, und waren nicht so kaputt.  Wir fanden aber keinen Laden mit Bootszubehör. Am nächsten Tag gingen wir in das Nationalmuseum in dem Bilder vieler berühmter Norwegischer Künstler u.a. auch von Edvard Munch (der ja in Oslo welches damals noch Kristiania hieß aufwuchs) zu sehen waren. Danach gingen wir mal wieder ins Internetcafe E-Mails checken und recherchieren wo es in Oslo Bootszubehör (Autopilot) gibt. Wir machten einen Raymarine Händler ausfindig, der ein Stück außerhalb der Stadt war. Wir gingen los, heute hatten wir die Roller nicht mit da wir ja nicht so weit wollten, wir kamen leider zu spät, das Geschäft hatte bereits geschlossen. Es war ja auch Samstag, also Pech gehabt. Später kaufte ich mir bei Clas Ohlson noch eine Heißklebepistole um die in Tüten verpackte Schaftkopfplatine mit Hilfe der Heißklebepistole richtig abzudichten. Man weiß ja nie was die Rückfahrt noch so alles bringt. Am Abend wollten wir noch zur Oper und ins Munch Museum, aber da es den ganzen Abend regnete blieben wir an Bord.

Am 20.7.2008 6:20 Uhr verließen wir den Hafen Aker Brygge  im Strömenden Regen und machten uns auf die Heimreise.

Es war kein Wind, wir fuhren den ganzen Tag mit Motor. Um 11:00 Uhr hatte ich die glorreiche Idee unser Verdeck aufzustellen. Von jetzt wurde es gemütlicher. Erwähnenswert ist noch das wir im Oslofjord an einer Art Festung vorbei gekommen sind, von dort wurde mit Kanonen geschossen, wieso wissen wir nicht. Vielleicht war es eine Militärische Übung oder es wurde Salut geschossen. Keine Ahnung. An diesem Tag zeigte unser GPS mehrmals für vielleicht 30 Sekunden eine falsche Position an das eine mal waren wir um über 900 SM versetzt. Das stimmt einen schon nachdenklich, gerade wenn man in den Schären danach Navigiert. Die 900 SM Abweichung bekommt man ja mit, aber was ist mit kleineren Abweichungen?!

Nach dem Regentag und 25 komplett mit Motor zurück gelegt Seemeilen ankerten wir abends im Oslojord zwischen Bevola und Bile.

Der nächste Tag brachte Sonnenschein aber vorerst keinen Wind. Das erfreuliche war, der Autopilot ging wieder. Wir wollten ihn von jetzt an nicht mehr ausschalten, denn er ging nur nicht nachdem er ausgeschaltet war. Der Nachmittag brachte Wind der Stärke 2 den wir zum segeln nutzten. Dieser steigerte sich bis zum Abend noch auf 3-4 Beaufort es schien zwar die Sonne, aber mit 18°C war es doch kühl. 20:10 Uhr ankerten wir nach 36 SM im Singlefjord auf der Position 59° 6,4‘ N 11° 5,9‘ E. In dieser Nacht ließen wir das Aggregat zum Laden der Batterien laufen.

Bei herrlichem Sonnenschein und Flaute ging es am nächsten Tag mit Motorkraft weiter. Wir versuchten einen anderen Weg als auf der Anreise durch die Schären zu finden. Was uns nur anfangs gelang.   Durch das schöne Wetter war es hier gleich noch einmal so schön. Wir kamen am Badeort Capri vorbei, danach ging es wieder raus auf das Meer wo wieder durch den Kosterfjord segelten.  Wir kamen heute nur 25 SM weit. Als besondere Vorkommnisse möchte ich noch erwähnen, dass der Haltegummi von der Badeleiter gerissen war, und wir mit dem Backbord Ruder an einer Fischerboje hängen geblieben sind. Wir hingen fest, ich hatte zu tun uns wieder frei zu bekommen. Dadurch hatte sich die Ruderanlage etwas verbogen. Der Autopilot steuerte noch, aber das Display des Autopiloten war komplett ausgefallen. Am Abend ankerten wir vor Langeskär.

Der nächste Tag verlief nahezu Reibungslos, das Wetter hatte sich gut eingepegelt, es schien den ganzen Tag die Sonne bei um die 20°C, Wind gab es fast nie, und wenn dann nur ein paar Stunden mit 1-2 Beaufort. Wir fuhren die meiste Zeit mit Motor der tadellos lief. In der Nacht ließen wir dann meistens das Aggregat laufen um die Batterien nach zu laden.

Heute Ankerten wir schon zeitig vor Ulebergshamn, wo wir die Gelegenheit nutzten das erste mal seit Oslo wieder an Land zu kommen. Wir fuhren mit dem Schlauchboot zu der Insel vor der wir ankerten und kletterten auf die Felsen. Wir entspannten uns und genossen die Aussicht. Am nächsten Tag fuhren wir bis Kaurö kurz vor dem Sotekanal. Unsere Tagesetmale lagen täglich so um die 30-35 SM. Als ich 22:35 Uhr das Ankerlicht einschaltete und kontrollierte flackerte es nur. Die LED Lampe die ich im Winter gekauft hatte war gerade dabei den Geist aufzugeben. Ich setzte das Not-Ankerlicht.  Aber auch dass hielt nicht mehr bis zum Urlaubsende durch. Auch die vielen LED Lampen im Boot fingen zum Ende hin an zu flackern. Fazit: keine billigen LED Lampen kaufen, die halten nicht mal eine Saison. Ich hatte ja irgendwann mal in der Berufsschule gelernt dass LED‘s eine Lebensdauer von vielen 100.000 h haben, aber das war meinen egal.

Am Morgen gab es eine Verstopfung in der Toillettenanlage, die sich aber zum Glück von selbst wieder löste. Wir fuhren früh am Morgen in den Sotekanal ein. Ich schrieb ja bereits dass im Kanal das Segeln verboten ist, aber wir hatten achterlichen Wind. Ich ließ ein kleines Vorsegeldreieck draußen, das machte uns 0,5 Knoten schneller, und keiner merkte etwas. Die Drehbrücke war wieder offen als wir in die Nähe kamen, ich gab Vollgas und schloss zum vorausfahrenden Boot auf, wir wollten unbedingt mit durch. Diesmal klappte es auch. Nach dem Kanal fuhren wir nicht durch Kungshamn sondern wir fuhren hinaus aufs Meer um den wenigen Wind zu nutzen und auf direkten Kurs zu gehen. Sehr weit kamen wir auch heute nicht, denn der Wind ließ bald nach. Die Nacht verbrachten wir zwischen den Inseln Ockerö und Hönö. Heute war von den Temperaturen her der erste Sommerabend. Die Luft war herrlich warm. Wir genossen den Abend an Deck, und beobachteten die Schweden.

Wir hatten mal wieder einen Schweinswal gesichtet. Etwas zu reparieren gab es auch, durch die Schaukelei bei Flaute scheuerte der Großbaum die Sprayhood durch. Wir flickten diese notdürftig mit Segelreparaturband. Zu Hause habe ich Sie dann an der Stelle von einem Sattler verstärken lassen.

Die nächste Etappe war weiter, wir wollten bis Anholt kommen. Bei dem wenigen Wind war das gar nicht so einfach. Das meiste der 73 SM fuhren wir mal wieder mit dem Motor. Wir kamen auf Anholt am Abend des nächsten Tages an. Die erste Nacht die wir in diesem Urlaub durch gesegelt, oder vielmehr durch gefahren sind. Auf dieser langen Etappe mussten wir wieder ein paar Stunden das Aggregat laufen lassen. Wir sahen 6 Schweinswale die unseren Weg kreuzten. Kurz vor Anholt viel etwas vom Baum auf das Boot und dann ins Wasser. Es war die Polystop Sicherungsmutter die den Lümmelbeschlag hält. Gut dass wir das Klappern gehört hatten, unbemerkt hätte das fatale Folgen gegeben. So ersetze ich die fehlende Mutter durch 2 Muttern die ich konterte.

Die Nordostspitze Anholts war Robbenschutzgebiet.  Wir ankerten an der Ostküste in der Hoffnung dass vielleicht eine Robbe aus Neugier zu uns kam. Mit dem Fernglas sah man auf der Robbenbank wildes treiben. Wir waren aber zu weit weg um Details zu erkennen. Die Nacht war ruhig.

Anholt mit dem herrlichen Sandstrand und einer der eigentlichen Insel vorgelagerten Düne lud  förmlich zu einem Spaziergang ein. Wir fuhren am nächsten Morgen mit dem Beiboot an Land und machten einen schönen Spaziergang. 

                 

Das Wetter war auch herrlich, wir gingen über die Düne und sahen den Leuchtturm. In nördlicher Richtung durften wir nicht weit, da begann bald das Robbenschutzgebiet, welches wir natürlich nicht betraten.

Auf dem Rückweg zum Boot begegneten wir dann doch noch einer Robbe die neugierig den Kopf aus dem Wasser steckte.

Als wir zurück an Bord waren lichteten wir den Anker und  machten uns 9:30 Uhr auf die Weiterfahrt nach Grenaa. Heute war es brennend heiß, kein Lüftchen ging. An der Ostküste Anholts war das Wasser Kristallklar,  durch die geringe Tiefe von wenigen Metern und dem feinen Sandgrund sah das Wasser fast aus wie in der Karibik. Wir konnten nicht anders wir machten um 11:30 Uhr einen Stop zum Baden.

Das unangenehme waren die vielen Quallen worunter auch Feuerquallen waren, ich habe mehrere berührt, denn meine Haut brannte danach. Egal es war trotzdem herrlich hier. Wir nahmen uns vor mal mit viel Zeit nach Anholt zu Segeln, denn diese Insel ist einen längeren Aufenthalt wert. Uns lief langsam die Zeit davon, ich musste am 1.8. wieder an meiner Arbeitsstelle sein. Katja hatte noch Zeit bis 4.8.

Aber noch war es machbar. Die 33 SM bis Grenaa mussten wir mal wieder komplett mit Motor fahren. Da wir seit Oslo fast ausschließlich mit Motor gefahren sind waren unsere Batterien eigentlich ständig leer und das Aggregat lief fast die ganze fahrt. Auf all unseren Törns mit der Odin haben wir noch nie so viel den Motor gebraucht, und wir waren froh das Boot auf den Torqeedo umgerüstet zu haben. Gut der Stromerzeuger lief auch oft, aber daran waren wir selbst schuld, würden wir jeden Abend einen Hafen anlaufen könnten wir die Batterien über den dort vorhandenen Landstrom nachladen.

Die Ostsee war Spiegelglatt und die Temperaturen erreichten heute das erste Mal 30°C. Auf der Fahrt nach Grenaa begegneten wir wieder einem Schweinswal. In der westlichen Ostsee muss es viel mehr Schweinswale als in der östlichen geben, denn in den Jahren zuvor haben wir nie einen Wal gesehen.

Unser Benzin für den Stromerzeuger ging langsam zur Neige, ich nahm mir vor in Grenaa als erstes den Stecker in den Landstromanschluss zu stecken, mit den Kanistern zu Tankstelle zu laufen, dabei den Müll mit zu nehmen und anschließend noch den Wassertank zu füllen. Das machte ich dann auch genau so. Wir legten 22:30 Uhr in Grenaa an, die Straßentankstelle schloss 23:00 Uhr und 23:30 Uhr lagen wir schon in der Koje. Perfekt. In Grenaa sahen wir ein Haus von 1911 auf dem Stand: espoir.

Am Dienstag den 29.07. um 6:00 Uhr früh ging es weiter, es ging Richtung Großen Belt. Uns lief die Zeit davon, Donnerstagabend musste ich Zu Hause sein. Wenn nicht endlich Wind kam war es nicht mehr zu schaffen. Wir fuhren bis 11:30 Uhr mit Motor danach kam Wind auf, endlich mal wieder Wind. Wir segelten, der Wind wurde sogar Stärker. Nachmittag segelten wir sogar um die 5 Knoten. Wir waren vielleicht froh, ich sah wieder Licht am Horizont, meinen Berechnungen zufolge war es jetzt möglich doch noch rechtzeitig in Eckernförde anzukommen. Als wir 19:00 Uhr Ballen auf Samsö querab hatten entschied ich mich die Nacht durch zu Segeln. Der Wind musste genutzt werden. Eine Stunde später drehte von Ost auf Nordost so das wir jetzt hart am Wind bei extremer Schräglage segelten, die Nacht war eine Tortur für uns und für das Boot, je weiter wir in den Belt kamen desto langsamer wurden wir.  Wir machten zwar noch immer 5 Knoten Speed durchs Wasser, aber nur noch 2 Knoten über Grund. Wir hatten also 3 Knoten Strom von vorn. 23:30 Uhr war der Wind so stark dass ich das erste Reff einband. Katja machte mich darauf aufmerksam dass die ganze Steuerbordseite nass war, sogar die ganzen Polster und die Matratze waren schon nass. Ich hatte eine Vermutung wusste aber nicht ob ich richtig lag. Jetzt weiß ich das ich richtig vermutete, wir sind Stundenlang auf Steuerbordrumpf bei extremer Schräglage gefahren. Im Buch „Freiheit hinterm Horizont“ von Bobby Schenk las ich, dass er das gleiche Problem bei seiner Thalassa hatte. Bei starker Krängung verzieht sich das Boot so sehr, dass ein Spalt der möglicherweise nicht breiter als ein Haar ist, an der Verbindungsstelle zwischen Unter und Oberschale entsteht. Da dieser Spalt bei Schräglage ständig unter Wasser ist dringt durch dessen Kapillarwirkung Wasser ein.

Das war jetzt aber nicht zu ändern, die paar Tage überstanden wir auch mit nassem Bett. Jetzt musste ich erst mal Segeln was das Zeug hält. Der Schiffsverkehr im Belt war nicht gerade gering, was gerade in der Nacht extrem unangenehm ist. Man weiß nie ob einen der Tanker oder was auch immer gesehen hat. Gut das ich das AIS hatte, denn das half mir in dieser Nacht sehr. Gegen 3:00 Uhr ließ der Wind so weit nach, dass wir zwar noch 3 Knoten fahrt machten, aber bei 3 Knoten Gegenstrom standen wir sozusagen auf der Stelle. Ich sah nicht ein wieso ich mir weiterhin die Nacht um die Ohren schlagen soll wenn wir auf der Stelle stehen. Ich suchte die nächste Sandbank auf der Karte um dort zu Ankern es war der Lillegrund, 3:30 Uhr ging ich ins nasse Bett. Wir sind kaum zum schlafen gekommen, denn das Boot schaukelte zu stark. 7:30 versuchten wir unser Glück erneut, der Wind hatte jetzt wieder die Stärke 4-5 und kam komplett aus Süden. Also Strom und Wind aus der Richtung in die wir mussten. Wir kreuzten bis 11:00 Uhr, dann versuchten wir es mit Motor und laufendem Aggregat. Wir kamen mit ca. 1 Knoten vorwärts. Wenn wir ein 2. Ladegerät an Bord gehabt hätten, dann hätte ich noch mehr Gas geben können und wir wären mit 2,5 Knoten vorwärts gekommen, so hatten wir aber nur einen Strom von maximal 25 A zu Verfügung. Wieder etwas was man an Bord verbessern muss, aber das half uns jetzt nicht weiter. Wir ankerten und überlegten was wir machen können. In unserem Ostseeführer stand, dass solche Strömungen im großen wie auch im kleinen Belt normal sind. Jetzt wussten wir auch wieso wir vor ein paar Wochen auf Nordkurs hier so „durchgerast“ sind. Das half uns jetzt alles nichts, wir wären mit Motor und 1 Knoten Fahrt durch gekommen, aber rein rechnerisch hätten wir es dann vielleicht gerade so bis zum Montag geschafft. Das war aber zu spät, mein Arbeitgeber wird den Freitag verkraften müssen, aber wenn wir Montag beide nicht auf Arbeit gewesen wären, ich glaube… sind eben alles keine Segler bei uns im Binnenland. Wir versuchten noch mal in Land nähe weiter zu kommen, aber effektiv war es nicht gerade.  Durch ein Missgeschick entschied ich aufzugeben. Ich blieb mit dem Fuß am Benzinschlauch des Stromerzeugers hängen, und brach dabei den Benzinstecker ab. So nun hatten wir kein Aggregat mehr, und die Batterien wären in 2 Stunden leer gewesen, das wars dann. Ich hätte sicher eine Möglichkeit gefunden den Schaden zu beheben. Aber das hätte es auch nicht mehr gebracht.

Auf dem Foto sieht man unsere Versuche durch den Großen Belt zu kommen, sowie den Punkt an dem wir aufgaben. Wir kehrten um, wir wollten in einen Hafen. Von dort aus irgendwie nach Eckernförde den Jeep samt Trailer holen, und das Boot in diesem Hafen aus dem Wasser holen.

Das war aber heute nicht mehr zu schaffen. Wir fuhren zurück zum Lillegrund wo wir wieder Ankerten und uns mehrere geeignet Hafen aussuchten, die alle nicht im Belt lagen. Am 31.7. Punkt 7:00 Uhr lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg nach Bregnor einem kleinen dänischen Hafen mit Slipanlage. Die Wetterverhältnisse waren unverändert. Wir kreuzten bis Bregnor was ohne Strömung von vorn richtigen Spaß machte. Ich rief heute bei meinem Arbeitgeber an und versuchte unsere Lage zu beschreiben und zu erklären warum ich erst am Montag wieder da sein kann. Das war geklärt. 11:00 Uhr legten wir in Bregnor an. Der Hafenmeister war sehr nett. Er brachte uns zur Bushaltestelle, von da aus fuhren wir mit dem Bus nach Odense. Problematisch war auch, dass wir keine dänischen Kronen hatten. Aber der nette Busfahrer nahm dann doch unsere Euro. Von Odense fuhren wir mit dem Zug nach Fredericia. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter bis Flensburg. Der Anschlusszug von dort nach Eckernförde war schon weg. Also hatten wir 2 Stunden Zeit für einen kleinen Bummel durch Flensburg. In Eckernförde angekommen gingen wir zuerst zum Hafenmeister unsere Parkgebühren bezahlen. Mit dem Auto fuhren wir dann zurück nach Bregnor wo wir ca. 23:00 Uhr ankamen. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen legten wir den Mast und slippten das Boot aus dem Wasser. Die Hafenanlage war so eng das an ein rangieren mit dem Gespann nicht zu denken war. Das war kein Problem, da Dänen sehr hilfsbereit sind. Zusammen mit 7 Dänen rangierten wir den Trailer samt Boot so, das wir nur noch das Auto davor hängen mussten. Zwischendurch wurde eine kurze Pause gemacht, denn wir sollten uns durch eine Schweißermaske die Sonnenfinsternis ansehen, ich dachte zuerst die Dänen wollten mich veralbern, aber der nette Mann sagte: Wisst ihr nicht, Dänen lügen nicht. Wie recht er hatte. Es war eine partielle Sonnenfinsternis.

Wir waren froh es endlich geschafft zu haben. Auf der Rückfahrt hatten wir dann noch eine Reifenpanne mit dem Trailer, aber solche Kleinigkeiten machen uns nichts mehr aus. Nach dem Reifenwechsel ging es dann endlich nach Hause.

Fazit: Dieser Törn war meiner Meinung nach der aufregendste und schönste zugleich. Wir legten an 27 Tagen 828 SM zurück. Davon hatten wir 4 Hafentage. Ein bisschen über die Hälfte der Strecke sind wir mit Motor gefahren. Wir hatten dabei einen Benzinverbrauch durch das Aggregat von gerade mal 10 Litern. Nachdem ich den Motor notdürftig abgedichtet hatte, machte er keine Probleme mehr. Meine Entscheidung in Zukunft elektrisch zu fahren war also richtig und mein Konzept hatte sich bewährt. Mit unserer Odin waren wir insgesamt mehr als zufrieden. Auch wenn wir jetzt wieder ein anderes Boot gekauft haben, es war ein Lern und Entwicklungsprozess. Vom Motorbootfan wird man so schnell nicht zum Segler, da war die Zwischenstufe mit dem Motorsegler genau richtig.

Gerade jetzt bin ich dabei bei meinem neuen Boot alle Erfahrungen der letzen Jahre umzusetzen und in den Umbau des neuen Bootes einfließen zu lassen.  Vor allem wird der Torqeedo komplett abgedichtet. Sicher werden wieder neue Störquellen entstehen, aber auch dafür muss es dann eine Lösung geben.

Ab 2009 geht es dann mit der l‘espoir-tri weiter

Bis dahin…

Mast und Schotbruch

weiter geht es 2009

 

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